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Geschichte der Burschenschaft Alemannia zu Bonn : Festgabe z. Feier des 50-jährigen Stiftungsfestes der Burschenschaft Alemannia
Entstehung
Seite
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wichtig, auch dcn Gegner zu treffen gilt es. Dazu gehört Geschicklichkeitund Mut. Das war früher so und wird auch heute noch so sein. EineAbfuhr auszuteilen war immer das Beste, aber ohne Blutigen und ohneNadel die Mensur zu verlassen galt wenigstens zu unserer Zeit nochfür besser als mit dem Eisbeutel im Korbe zu liegen, vorausgesetzt natür-lich, das; stramm gepaukt worden war. Der Schmiß im Gesicht allein waruns weder ein Beweis für Mut noch für Geschicklichkeit. Den gutenSchlager ließen wir schlagen, wie er wollte, manch einem müßigen habenauch wir zugeredet nur draufzuschlagen, ganz gleich, ob es mit einer Ab-fuhr für ihn ende oder nicht. Ob es richtig ist, was man jetzt öftersagen hört, daß das Pauken in dcn letzten Jahren wüster geworden seiund daß zu viel mit der Backe pariert werde, weiß ich nicht. Vielleichtkommt aber der einzelne jetzt öfter auf die Mensur. Mehr zerhackt alszwei unserer Kneipgüstc es waren, ein Vrunsvige und ein Pflüger, wirdheutzutage kaum jemand sein. Beide waren gute Schlager, doch ihreMensuren waren zahllos.

Aber jedenfalls in anderer Beziehung hat sich im Anfang der 70 erJahre die Anschauung der Aktiven etwas geändert. Dem Z 6 unsererStatuten ist ein Satz angehängt worden, der sich, später ergänzt durcheinen ferneren Zusatz, bis jetzt erhalten hat. Dieser Z 0 verwirft grund-sätzlich das studentische Duell und fordert doch für jede Beleidigung un-bedingte Satisfaktion. Dieser Widerspruch hat zu mancherlei Mißverstünd-nissen und Meinungsverschiedenheiten Anlaß gegeben.

Die bestehenden Paukverhältnisse brachten oft Contrahagen ohne vor-hergegangene Beleidigung mit sich. Es war alter Brauch auf das Trottoiram Markt zu gehen und sich dort ankontrahieren zu lassen. Das Ehrengerichtgestattete das, es bestraste nur leichtsinnige Provokation und unpassendesBenehmen. So lange nun die Alemannia die stärkste Verbindung inBonn war und über vierzig und mehr Aktive verfügte, so lange hatteman Überfluß an Kontrahagen und Mensuren. Da doch nicht alle Kvn-trahagen ausgepaukt werden konnten, so brauchte nicht jeder zu kontrahieren.Wer die Lust verspürte, der ging aufs Trottoir, wer keinen Gefallendaran fand, unterließ es. Der eine hielt sich daran, daß die Statutendie Mensur alseine durch die bestehenden Verhältnisse gebotene Not-wendigkeit" anerkannten, der andere betonte, daß nur eine BeleidigungSatisfaktion erfordere. Es war nicht nötig, daß er auf die Mensur ging,um seinen Mut zu zeigen, sondern es kam nur darauf an, daß die anderendas Vertrauen in ihn setzten, er werde gegebenen Falles den Mut zeigen.