Die Alemannia
in den Iahren 1^858 bis !j867.
Von Karl Hessel, unter Mitwirkung von Karl Rehorn, Ernst Nietenund Ernst Jakob Broicher.
In dasSominerscmester 1858 ging die Alemannia mit nur nenn Mann,zu denen sich noch drei Füchse gesellten. Aber es waren tüchtige undenergische Leute, die mit besonders lebhaftem burschenschaftlichen Bewußt-sein erfüllt waren. Die Empfindung, daß es jetzt endlich an der Zeitsei, die patriotischen Bestrebungen unverhüllter als in den vierziger undfünfziger Jahren zu Tage treten zu lassen, zog damals gleichzeitig überfast alle Burschenschaften der deutschen Hochschulen als eine Begleiter-scheinung des so mächtig aufstrebenden nationalen Bewußtseins. Das Jubel-fest der Jenaischen Hochschule fiel in den Sommer 1858 und gab der AlemanniaGelegenheit, durch ihre Beteiligung der Außenwelt ein Lebenszeichen vonsich zu geben. Man hielt jetzt politische Zeitschriften, beteiligte sich leb-haft an den Geschicken des Vaterlandes, sammelte für Schleswig-Holstein,für das Schenkendorf-Denkmal zu Koblenz, agitierte, hielt eifrig Vorträgeim Fuchskränzchen und suchte nun auch auf, was man früher zurückgewiesenhatte: Vereinigungen mit fremden Burschenschaften. Zunächst waren espersönliche freundschaftliche Beziehungen, die den Gedanken an ein Kartellmit der Frankonia in Heidelberg und der „grünen" Hannovera inGöttingen Hervorriesen. Gegenseitige Kommerseinladungen waren die ein-leitenden Schritte. Im folgenden Semester zog man die Sache ernstlichin Erwägung, und am 2. Februar 1859 ward mit der Frankonia einsogenanntes „freundschaftliches Verhältnis" abgeschlossen. Es erschien alskein Hindernis, daß die Alemannia unbedingte, die Frankonia dagegen nurbedingte Satissaktion gab. Jeder Frankone, der nach Bonn, und jederAlemannc, der nach Heidelberg kam, sollte bei der befreundeten Burschen-schaft aktiv werden, wenn er das 3. Semester noch nicht überschritten hatte,