die Scheu überwand und sich entschloß eine Anzahl besonders bekannteralter Herren brieflich um Hülfe zu bitten. Als in dein alten HauseÖh wichen, damaligem Privntdozentcn an der landwirtschaftlichen Akademiein Poppelsdorf, ein guter Ratgeber und in Voigtei ein eifriger Kassen-wart gewonnen war, da kam die Sache in Fluß. Anfang Februar 1872gingen die Briefe ab, und schon nach vier Wochen war durch VcrmittelungÖhmichens mit Zart mann abgerechnet, der Nest der langjährigen Schuld,etwa 225 Thaler, war getilgt und die Burschenschaft wieder im Besitzihrer ganzen Habe. Nachdem in den folgenden Wochen noch mehr Geldereingelaufen waren, stieg die von alten Herren gespendete Summe auf390 Thaler, so daß ein beträchtlicher Überschuß über das augenblicklicheBedürfnis vorhanden war. Die Zeit der Not war überwunden, die Sorgegebannt und an ihre Stelle das Gefühl der Sicherheit getreten. An derschnell und bereitwillig gewährten Hülfe erkannte der Aktive die treueGesinnung der Alten, dankbaren Herzens fühlte er sich diesen verpflichtetund sich selbst zugleich fester gebunden an die Burschenschaft, der sie allesich geweiht.
Es war ein neues Geschlecht, das nach dem Kriege die roteAlemannenmütze trug. Von allen, die der Zeit vorher angehört haben,sind im Sommersemestcr l871 nur drei aktiv gewesen, Gustav Osthoffund Haake und nach der Heimkehr aus dem Felde und dem Einzug inAachen vom 1. Juli an auch ich, nur einen Monat lang, einen kurzen,aber sorglosen, fröhlichen, glücklichen Monat am schönen Rhein, einenMonat, den noch volle Siegesstimmung beherrschte. Als Inaktive kehrtenzurück für das folgende Wintersemester Nud. Gerlach und dann für dreiSemester der kleine Flues, Ostern 1873 auch Haake und ich, im ganzenalso nur vier Inaktive. Als alte Herren kamen nach dem Kriege für dieDauer des medizinischen Staatsexamens wieder nach Bonn die DoktorenWeyland, Jrle, Angenete, Bosch, Krüger und Zehn. Der Zu-sammenhang mit der alten Zeit ist also nie ganz zerrissen, eine Über-lieferung setzte sich fort, aber doch bildet der Winter 1870/71 einen deutlicherkennbaren Abschnitt in der Geschichte der Alemannia.
Es ist oft behauptet worden, durch den Krieg und seine Folgen habedie deutsche Burschenschaft jede Berechtigung verloren, denn mit derEinigung Deutschlands sei erreicht, was sie erstrebt habe, das Couleur-wesen überhaupt kranke, es habe sich überlebt. Weder das Eine ist richtignoch das Andere. Was geeinigt ist, soll auch erhalten werden. Dazubraucht das Vaterland Männer. So unberechtigt wie der Vorwurf ist,den man gelegentlich aussprechen hört, daß die Burschenschaft sich anmaße,