Landstraße losgegangen, mit Helveticrn und Teutonen, dann aber führteuns das Gefühl größerer Sicherheit wieder ans den Sand zurück. Hierwurde mehrere Male rasch hintereinander in zahlreichen Mensuren mit denFrankonen gepaukt, die Ende Mai 1870 den Verruf vom Februar 1869aufgehoben hatten.
Da aber gebot plötzlich den Mensuren ein kräftigeres Halt, als esvom Univcrsitätsrichter ausgegangen war, die Kriegserklärung derFranzosen. Mit dein Ausbruche des Völkerstreites verstummte derKlang schwirrender Schläger, verhallten die Rufe der Sekundanten: Bindetdie Klingen! Sind gebunden. Los! Eine größere Mensur wurde gezogen,dem militärischen Kommando mußte der Bursche gehorchen, und derKanonendonner rief ihn fort in einen ernsteren Kamps.
Urplötzlich war das Kriegswetter heraufgezogen, eine Überraschung füruns wie für alle Welt. Die erste Nachricht von der Wahl des Erbprinzenvon Hohenzollern, ja selbst die dreiste Drohung des Herzogs don Gramonthatte uns nicht in unserem fröhlichen Studententreiben gestört. Gerade injenen Tagen machten wir eine sehr fidcle Ahrspritze. Wir sprachen wohlvom Kriege, aber ohne recht an ihn zu glauben, wir lasen in den Zeitungenvon der wachsenden Aufregung in Paris und konnten sie doch nicht verstehenund erwidern. Uns beschäftigten damals die Vorbereitungen zum Stiftungs-fest, das am 18. Juli gefeiert werden sollte und zu dem schon dasTrompetercorps der Husaren bestellt war. Die Frage, in welcher Formdas neue Semesterbild für die Kneipe angefertigt werden sollte, erschiennoch wichtig genug, um uns in zwei Konventen zu beschäftigen, und am9. Juli schrieb der Schristwart ohne zu ahnen, wie rasch der Beschlußvergessen sein werde, mit der bestimmtesten Form in das Protokollbuch:„Das Kneipbild wird also in kleinerem Format und in einer Gruppe auf-genommen werden." Dann kamen die aufregenden Nachrichten aus Ems.Die zudringliche Geschwätzigkeit Bcnedetti's, die einfache und vornehmeHaltung König Wilhelms erfüllten alle deutschen Herzen mit Unwillen undStolz. Das „Echo" war jetzt wachgerufen und hallte von den Ufern desRheins zurück nach Paris. Der 15. Juli brachte die Entscheidung. AmAbend des Tages hatten wir zwar nur die kurze Depesche in Händen mitjener der wirklichen um mehrere Tage vorausgeeilten Kriegserklärung.Von den entscheidenden Beschlüssen des gesetzgebenden Körpers in -Paris,die den Krieg in sich schlössen, erfuhren wir erst am folgenden Morgen.Aber die Depesche war uns mehr als genug. Mendt brachte das Extra-blatt der Kölnischen Zeitung mit, das er zufällig auf der Durchreise durchKöln am Bahnhof ergriffen hatte. Schon von weitem winkte er mit dem