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Blatt, als er dem Schänzchen zueilte, wo wir im Garten unter den Kastaniensaßen. Dem ersten Durcheinander von Fragen und Antworten, von Zweifelnund Versicherungen folgte ein Kneipabend, dessen Stunden uns die Begei-sterung in einen Augenblick zu verwandeln schien. Krauel feierte inschwungvoller Rede, voller Ernst und doch voll Zuversicht, das Vaterland;das Lied von der „Wacht am Rhein", das in wenigen Tagen durch dieGewalt der Ereignisse und die packende Kraft seiner Melodie zum Volks-lied«: geworden war, erklang mit voller Macht auf unserer Kneipe, und inder Ferne, wo Scharen junger Leute, gleich uns von aufgeregter Stimmungbeherrscht rheinauf rheinab zogen, klang es wieder: „Fest steht und treudie Wacht am Rhein!" Am Rhein war Bonn die einzige, zugleich diewestlichste aller deutschen Hochschulen. Dicht am Ufer des Rheines hatteunsere Burschenschaft ihr Heim, durch die offenen Fenster drang dasRauschen seiner Fluten an unser Ohr, unser Sang schallte hinaus undwurde von seiner Strömung weitergetragen. Und diesen schönen Strom,sein ganzes Wcstufer mir unserem Bonn, wagte fremde Habsucht als Eigen-tum zu fordern, wollte ihn wieder zur Grenze inachen, wie er es in denTagen der Knechtschaft gewesen war, die unsere Väter und Großväter inJahren voll Not und Mühsal ertragen und in Jahren voll Mut undBegeisterung von sich abgeschüttelt hatten! Nein, so begeistert wir sangen,so fest waren wir auch entschlossen an der Wacht teilzunehmen, den Rheinzu verteidigen und unser Blut für das Vaterland hinzugeben. Jetzt wardie Zeit gekommen zu zeigen, daß Vaterlandsliebe nicht nur als schönerGrundsatz auf dem Papier unserer Statuten stand, sondern daß sie auchin unseren Herzen wohnte, daß die Burschenschaft uns zu Männern erzogenhatte, die edle Gedanken in edle Thaten umzusetzen imstande waren.
Auch das Kriegsjahr 1866*) hatte in der Burschenschaft Aufregungund Begeisterung hervorgerufen. Die ersten Siegesnachrichten, die EndeJuni einliefen, wurden auf einer jener heiteren Ahrspritzen gefeiert, dieNachts um 12 Uhr zu Schiff rheinaufwärts unternommen, mit einer Früh-bowlc im Garten der Lochmühle ihren ersten Abschluß fanden. Als dannam 4. Juli die Kunde von der Entscheidungsschlacht bei Königgrätz nachBonn kam, da wurde auf dem Schänzchen stürmisch nach Musik verlangt,von den Hanseaten nicht weniger als von den Preußen, und unvergeßlichwird wohl allen Teilnehmern sein, wie dann im Garten am Rhein inernst-patriotischer Stimmung das Lied gesungen wurde „Deutschland, Deutsch-land über alles." Wo möglich noch gewaltiger wirkten die Kölnischen
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