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Die Wirtschaft von Ruland in der Stockenstraße wurde in jenerZeit viel von uns besucht. Wir gingen auch wohl in andere Kneipen,z. B. zu Breuer in der Wenzelgasse, wenn ein Nachmittag der Kegelei ge-widmet wurde, in den Zeergarten am Markt, wo ein Special Mosel ver-führerisch winkte, auch die Pforten des „Lümmels" öffneten sich uns ge-legentlich im Kampf mit Gebrüder „Dick- und Dünn-Darm", den Spenderndes Knickebeins, zu später Nachtstunde. Aber in diese Wirtschaften gingenwir nie in eorxoro oder gar offiziell. Wenn uns die Abendkneipe nichtauf dem Schänzchcn vereinigte, so fanden wir uns in dem obenerwähntenSälchen bei Ruland zusammen, das eine Treppe hoch nach vorne lag. Auchunfern Frühschoppen tranken wir bei Ruland, aber nicht oben, sondern imHofe oder in dem langgestreckten, niedrigen Wirtschaftsraum an den beidenTischen, die dem Hoffenster zunächst standen. Offiziell war der Früh-schoppen nur Sonntags, aber auch an den Wochentagen versäumte man ihnungern und fand nach oder zwischen den Kollegien oder auch mit Umgehungderselben die Zeit zur ersehnten Stärkung. Im Mauspfad herrschte damalsnoch friedliche Stille, die Wirtschaft der „Wittib" war in der Nähe derUniversität für uns das einzige mögliche Lokal. Fast nur Couleurstudentenverkehrten da. Den Tisch neben uns nahmen die Teutonen ein, dannkamen weiter die Frankonen, die Märker, und am Fenster nach der Stocken-straße hielten sich abseits die Sachsen, die im Hinterhause ihre Kneipehatten; Helvetier waren seltene Gäste. Da saßen wir, die rote Mütze aufdem Kopf, an unseren Tischen und ließen uns vom „kleinen Adam" oderanderen halbwüchsigen Kellnerjungen schäumendes Niedermendiger kredenzen,ohne uns um die Nachbartische zu kümmern, ganz gleich, ob Verruf odbrPaukverhältnis bestand. Märker und Franken freilich waren mit einandermeist sehr vertraut, unter uns aber war es nicht Brauch, nnch anderenTischen hinüber vorzukommen. Der enge Raum pflegte gedrängt voll zusein, aber die Wittib verstand es streng auf Ordnung zu halten. Nicht nurBedienung und Küche waren gut, es ging auch anständig in ihrem Hausezu. Ihre Redensart: „Aber ich verlange, dat Se mer de Wirtschaf nichstören!" war bei uns zu einem geflügelten Worte geworden. Es mußtebar bezahlt werden, nur wenige Auserwählte hatten das Vorrecht an-schreiben zu lassen, aber wehe dem, der das Vertrauen mißbrauchte! Einwohlgetroffenes Bild der Wittib befindet sich in der Bierzeitung desJahres 1368. Wie sie hinter dem Schenktisch an dem kleinen Fenstersitzt und durch ihre große Brille prüfend den Blick auf den Schuldigenheftet, so ist sie von Jehn's gewandter Hand im Bilde verewigt worden.Als ihr Sohn 1871 aus dem Felde heimkehrte und die Wirtschaft über-
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