Zahl allgemach zu, der Burschenschaft zum Gewinn, da sie, ihre ganzeStudienzeit in Bonn bleibend, auch noch als ältere Inaktive mit ihrerErfahrung den aktiven Leuten zur Seite stehen konnten; die Philologenwaren meist Norddeutsche und bildeten dadurch eine willkommene Ergänzungzu dem rheinisch-westfälischen Elemente; ihr wissenschaftliches Streben brachteeinen frischen, anregenden Zug in die Burschenschaft, jedenfalls war der nord-deutsche Einfluß deutlich fühlbar, ähnlich wie zu den ersten Zeiten der Fridericiaund wie zu Beginn der fünfziger Jahre in der Alemannia. Ich erwähne alsbemerkenswert, daß in dem Nitschl'schen philologischen Seminar, in das auf-genommen zu werden der Philologen höchster Ehrgeiz war, von den zwölf ordent-lichen Mitgliedern, die es zählte, zeitweise über die Hälfte Alemannen gewesensind. Endlich schlössen sich außer Juristen und Medizinern vorzugsweise auch älteretüchtige Philologen, die sonst ihres Zeichens Kamele waren, als Kon-bummelanten der Alemannia an, Leute, die zwar von uns als „haarige"Philologen bezeichnet wurden, deren Umgang wir aber doch manches ver-dankten, insbesondere eine Fülle anregender Unterhaltung und eine Erweite-rung des Gesichtskreises, die für das ganze Leben wichtig war. Ich nenne z. B.von Bamberg, jetzigen Schulrat und Gymnasialdirektor in Gotha, RudolfSchöll, der als Professor der klassischen Philologie in München 18O3 ge-storben ist, und seinen jüngeren juristischen Bruder Robert, jetzigen Geh.Legationsrat und vortragenden Rat im Auswärtigen Amt; auch ErnstSchultze war mit vielen befreundet, er war lange Direktor des deutschenGymnasiums in St. Petersburg und lebt jetzt zu Homburg i. T.
So stand also in diesen Jahren die Alemannia, wie tüchtig auch ihreMitglieder aus andern Fakultäten sein mochten, entschieden im Zeichen derphilologischen Studien.
Leider verbietet die Rücksicht auf Lebende, alle damals in der Burschen-schaft hervorragenden Einzelpersönlichkeiten nach Gebühr zu würdigen. Alsbesonders glänzende Erscheinung ist vor allem Christian Heimreich(Heimchen) zu nennen, ein Neffe des berühmten, oben erwähnten OttoJahn, ein Schleswig-Holsteiner wie dieser. Heimchen war groß, blond, vonecht germanischer, jugendlicher Schönheit, lebhaft, geistreich, lebenslustig, jahre-lang eine Hauptstütze der Burschenschaft und ihr geistiger Mittelpunkt; er ist1888 als Gymnasialdirektor zu Plön in Holstein gestorben; nach seinerStudienzeit ist er selten mehr nach Bonn gekommen. Sein Erbe in derSprecherwürde war Heinrich Bubendey aus Hamburg, auch ein Philologe,von überaus heiterem Temperament, das sich merkwürdigerweise zuweilenmit großer Schweigsamkeit paarte, Tenorsänger, gleich tüchtig auf derMensur, im Convent, in der Bierzeitung, im Kolleg. Gleichfalls Philologe