Jugend. Alle deutschen Hochschulen hatten ihre Vertreter gesandt, und sowohl angesehen war draußen die Alemannia, daß fast sämtliche her-gekommenen Burschenschafter ihre Gäste waren. Über eine Woche langversammelten sich täglich 7t) bis 8V Mann auf der Kneipe. Auch wurdenin jenen Tagen eine Reihe von Mensuren, teils von unfern Leuten, teilsvon Fremden auf unsere Waffen gegen die Corps ausgefochten und zwar,wie es damals bei der Alemannia ausschließlich Sitte war, ohne Mützen,ohne Brillen, mit abgetretenen Sekundanten. Dabei ist viel Blut geflossen,aber die Erfolge waren uns günstig. Die zahllosen Contrahagcn, die inden aufgeregten Tagen nach Arndts Begräbnis gefallen waren, veranlaßtcndie Corps, eine Annäherung mit der Alemannia zu suchen. So sehrletztere aus Erledigung der schwebenden Sachen drängte, so kam es dochnur mit den Pfälzer» zu Mensuren und zwar mit verhüllten Waffen desCorps gegen unsere offenen. Man sann, wie man ein geordnetes Pauk-verhältnis mit den Corps anknüpfen könne. Der alte Or. Brunhoff, denman gelegentlich um Rat fragte, meinte, dies müsse auf jede Bedingunghin geschehen, und wir müßten uns ohne Bedenken dem Pauk- undStrafkomment der Corps unterwerfen. Die Alemannen jedoch mochten sichnicht ohne weiteres dem fügen, und so blieb es vorläufig beim Alten.
Von Tag zu Tag entfaltete sich nicht allein in Bonn, sondern in dergesamten deutschen Burschenschaft ein regeres Leben. Sehr viele zum Teiljetzt in großer Blüte stehende Burschenschaften thaten sich damals auf, hierund da machte man Versuche zu einer Einigung der gesamten deutschenBurschenschaft wie zum Zusammentritt mehrerer zu einem Kartell. Aufverschiedenen „Burschentagcn" konstituierten sich die einen zum sogenannten„süddeutschen", die anderen zum sogenannten „norddeutschen Kartell".In Berlin trat ein „burschenschastlicher Verein" ins Leben, aus Ange-hörigen der verschiedensten Verbindungen bestehend, worin auch dieAlemannia vertreten war durch frühere Mitglieder, die in Berlin studierten.Das Ziel dieses „burschenschaftlichcn Vereins" ging dahin, sämtlicheBurschenschaften zu einigen. Man definierte die Burschenschaft als eine„studentische Korporation, die Ausbildung von Körper und Geist zumDienste des deutschen Vaterlandes bezweckt", und danach bemaß man dieEinladungen zu einem Burschentag, der im August 1860 zu Koburg ab-gehalten werden sollte. Die Alemannia sagte anfangs zu, zog sich aberdaraus wieder zurück, weil die vielen eingeladenen Burschenschaften teil-weise zu weit auseinander gingen, weil ein eigentliches Programm derVereinigung nicht gegeben war und überhaupt im Ganzen eine zu großeUnklarheit herrschte.