Druckschrift 
Geschichte der Burschenschaft Alemannia zu Bonn : Festgabe z. Feier des 50-jährigen Stiftungsfestes der Burschenschaft Alemannia
Entstehung
Seite
30
Einzelbild herunterladen
 

30

aufzog und mehrmals um die Pyramide zog, eine Prozedur, die heutezweifellos als nächtliche Ruhestörung dein Schwerte der Gerechtigkeit ver-fallen würde, damals aber, wenn auch Nachtwächter und Pedelle zuweilenetivas eingriffen und wenn auch die am Markt wohnhaften ehrsamenPhilister darob weidlich geschimpft haben mögen, doch, offenbar in An-erkennung des vorhandenen Bedürfnisses, stillschweigend geduldet wurde.Stießen nun zwei solche Züge an der Pyramide oder sonstwo auf demMarkte (das westliche Trottoir war als derartiger Punkt gleichfalls sehrbeliebt) zusammen, so ging dies, entsprechend der Eifersucht und Feind-schaft der alten Germanenstämme, deren Namen die zusammenstoßendenHelden trugen, nicht ohne Kamps und Streit ab, nur daß die Heldenvermöge ihrer altklassischen Bildung sich zunächst nach Art der homerischenHelden dem Wortkampf Hingaben, und den blutigen Waffenkampf für dienächsten Tage vorbehielten. Dieses Aufziehen mit Juchheirassassa war dieHauptprovokation, die Provokation und wurde vom Ehrengericht

gegebenenfalls besonders streng getadelt. Nichtsdestoweniger haben dieehrsamen Bonner Philister am Markt in mancher Nacht auch den Kriegs-ruf und den Wortkampf der Alemannen hören müssen.

Solche Vorkommnisse und Gesinnungen blieben aber Sache der Ein-zelnen; die Verbindung als solche kannte das Duell nur als Sühnemittelbei Beleidigungen. Demgemäß wurde weder theoretisch noch praktisch ver-langt, daß ein Mitglied Mensuren ausgefochten habe, noch weniger wurdedie Verleihung des Bandes oder die Wahl zum Vorstandsmitgliede oderEhrenrichter hiervon abhängig gemacht. Wer keine Mensur gehabt hatte,war und blieb ebenso angesehen, als der, der mehrere hinter sich hatte.

Wohl aber hielt die Verbindung als solche seit der Wiedereinführungdes Paukzwanges (20. Januar 1849) mit Strenge daraus, daß die Mit-glieder den Paukboden regelmäßig und fleißig besuchten, damit sie gegebenen-falls sich auf der Mensur wacker schlagen könnten. Letzteres ist denn auchimmer geschehen; auch die weniger kräftigen und ungeübteren Mitgliederhaben stets mit Mut und tadellos auf der Mensur gestanden. Langeberühmt gewesen ist in dieser Beziehung eine Mensur zwischen einem sehrgut schlagenden Corps-Senior und unserem schwächlichen und ungeübtenSchlodtmann (Seppel), der seinen Gegner durch sein wildes, ungestümesund unaufhörliches Drauflosschlagen derartig in Verlegenheit setzte, daßletzterer von seiner unbedingten Überlegenheit keinen Gebrauch machenkonnte, und zum größten Gaudium unserer Leute nichts bei der Mensurherauskann