EINLEITUNG
ZU DEN WAPPEN AUS DEM HAUSE ZUM LOCH IN ZÜRICH
(TAFELN XXVIII-XXXII)
von Friedrich Hegi
I. WAPPENFOLGEN IN ZÜRICH UND UMGEBUNG SOWIE ANDERSWO
Die noch wenig bekannte Folge von Wappenschilden meist der heutigen Ostschweiz und besonders derStadt Zürich angehörender Adels- und lehensfähiger Bürgergeschlechter aus dem Hause zum Loch in Zürich 4 )bildet für den Heraldiker eine willkommene Ergänzung der ZWR und gibt ihm Gelegenheit, die Frage derBeständigkeit der Farbengebung zu überprüfen, aber auch die Sorglosigkeit zu beobachten, mit der die Malerbei der Anlage solcher Wappenfolgen vorgegangen sind, die offenbar nur für kürzere Dauer berechnet waren.Der Dominikaner Jacob von Lausanne, der zu Anfang des 14. Jahrhunderts lebte, berichtet, es seien beiAnkunft hoher Personen deren Wappen angebracht und diejenigen früherer Gäste von der Wand getilgtworden (s. oben S. XLIII). - Die 179 Schilde gehören anscheinend bestimmten Persönlichkeiten zu, die zumgrösseren Teil der Generation zuzuweisen sind, die derjenigen der ZWR unmittelbar voranging. Leider istder Zustand ihrer Uberlieferung kein guter, einzelne Schilde sind vollständig unkenntlich geworden und dermittelste Wappenbalken ist überhaupt nicht mehr erhalten. Immerhin darf sich der Forscher glücklich schätzen,heute noch den grösseren Teil der Originale im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich studieren zukönnen. Alle anderen Wappenfolgen des mittelalterlichen Zürichs, an denen die einstige Reichsstadt nichtarm war, sind im ursprünglichen Zustande nicht mehr erhalten, ja ein Teil ist nicht einmal mehr durch Kopienbekannt! Inwieweit der wappenfreudige Chronist Gerold Edlibach im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts diealten Darstellungen beigezogen hat für die Schaffung seines jetzt in Donaueschingen liegenden Wappenbuches,kann kaum mehr festgestellt werden. Er äussert sich in einem Nachworte nur dahin, „es seien die obgemaltenSchilde, die in diesem Buche gemalet sind, von manchem Stift und Kloster, wo Begräbnisse sind, abgemaletund in dieses Buch gestellt" 2 ).
An den Seitenwänden des Langhauses der Barfüsser- oder Franziskanerkirche in Zürich prangten aufder einen Seite Schilde von Edlen, auf der andern von Burgern. Von dieser als vorhandener Wappenfolgespricht zuerst der Chronist Heinrich Brennwald, der Schwiegervater des Chronisten Johannes Stumpf, nochin vorreformatorischer Zeit (c. 1508—1516). Er führte ihre Entstehung auf die am Leben gebliebenen undvom Könige Rudolf ehrlich begabten zürcherischen Teilnehmer an der Schlacht bei Dürnkrut vom 26. VIII. 1278zwischen König Ottakar von Böhmen und dem deutschen Könige Rudolf von Habsburg zurück 3 ). AntistesHeinrich Bullinger dagegen hielt diese Wappen für die der Umgekommenen und berichtet ausdrücklich, erhabe die Malereien noch gesehen, ehe die Kirche zu Kornschütten gemacht worden sei 4 ). Die Darstellungendes Kircheninnern bei Arter „Zürcherische Alterthümer" sind offenbar unmassgebliche Rekonstruktionen.
Im Sommerrefektorium des Augustinerklosters in Zürich sah man noch im 18. Jhdt. Namen und Wappenvon 28 in der Augustinerkirche begrabenen Zürchern 5 ): 4 Biber, 6 Manesse, 8 Mülner, 2 öri, x Schafli,
1 ) Literatur s. bei E. Frh. v. Berchem, D. L. Galbreath und Otto Hupp Die Wappenbücher des deutschen Mittelalters (HerArch XXXIX [1925] 24 f, XLII [1928] 90, Sep.-Abdruck 8 und 80).
2 ) Die Literatur über dieses Wappenbuch s. in HerArch XL (1926) 119 und Sep.-Abdruck 64. Verwertet hat Edlibach be-stimmt die heraldischen Denkmäler im Kloster Rüti.
3 ) QSchwG n. F. I. Abteilung, Chroniken I 144.
4 ) S. Vögelin Das alte Zürich I 362.
5 ) Ebda I 595 f; die Namen sind aufgeführt bei D. von Moos Thuricum sepultum II (1779) 188 f.
Einleitung HzLoch
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