TAFEL II, 1-22
B. DIE WAPPEN
1 FREMDLÄNDISCHES KÖNIGREICH (in Indien ?). Findet sich in keinem der von v. Berchem, Galbreath und Huppbehandelten Wappenbücher des deutschen Mittelalters unter den orientalischen oder Phantasiewappen. Grünenberg, Erg.-Bd., gibt
5 zwei Schilde mit diesem Wüstentier, aber mit anderen Farben: Bl. 3 3, „derküng vonManchy inlnndyen" (gelbes Kamel in grün); undBl. 3 7, „küng von Camul" (Kabul ?), (gelbes Kamel in blau, überhöht von einer gelben Krone). Bei einem dritten Schilde (Bl. 3 3) würdendie Farben stimmen, aber das Tier, auf dem ein nackter, antreibender alter schwarzer Reiter sitzt, ist nicht durch Höcker als Kamel oderDromedar bestimmt: „der küng von Caua ( = ,,Cava"P; die Herausgeber lesen „Cana") inn der grosen Indyen". — Das schreitendeKamel, auf arabischen und vielen baktrischen Münzen vorkommend (Paulys Realencyclopädie), ist anscheinend Wappentier des heu-10 tigen englischen Sudans. (Wappen: schreitendes rotes, schwarzgezäumtes Kamel in gelb; Kl.: Wiederholung des Schildbildes. [1
2 KASTILIEN UND LEON, von einer Hand des 15. Jhdts. als Hispania bezeichnet. Frühere spanische Königreicheund jetzige Provinzen, zum ersten mal 1037 miteinander vereinigt als Grafschaft Kastilien, 1230 als Königreich Kastilien unteilbarerklärt. Herrscher in der 1. Hälfte des 14. Jhdts. König Alfons XI. 1312—1350.—Der gevierte Schild —die Quadrierung trittin Spanien und Südfrankreich zuerst auf—erscheint erst seit 1229 unter König Ferdinand III. und Alfons X., der 1257 zum deut-
15 sehen König erwählt worden ist (Ganz 168 N. 3, 174 N. 3); der letztere führt die Burg im 1. und 4. Viertel, den Löwen im 2. und3. (Grabstein der Gattin Eduards I. in der Westminsterabtei London, 1290). — Die richtigen historischen Farben und die histo-rische Anordnung im gevierten Schilde sind: 1 und 4 in rot gelber Zinnenturm (mit blauem Tor und Fenstern), gelegentlich mitdrei kleineren aus den Zinnen hervortretenden Zinnentürmen, 2 und 3 in weiss purpurner, bis ins 16. Jhdt. immer ungekrönter Löwe.Die deutschen Wappenbücher geben die dreitorige Burg oder das Castell, das redende Wappenbild für Kastilien, stets doppeltürmig20 mit dazwischen stehendem, meist niedrigeren Torturm. (Richental ioo b ; mittlerer höher bei Grünenberg i9 b ). Während K. vonWürzburgimTurnei vonNantheiz (Verse 548/567) für das Wappen des „künic von Spangen" die richtige Anordnung in der Vierteilungtrifft und für Kastilien („Burgen") auch die richtigen Farben, spricht CvMure im Clipearius (3) wie die ZWR beim Wappen des „rexHispanie"von 2 roten „Städten" (urbes = castella) in weiss, aber anscheinend in 1 und 4. Auch in der irrigen Beschreibung des ebenfallsredenden Wappens von Leon stimmt CvMure mit der ZWR überein, schwarze Löwen in gelb, während K. von Würzburg dieschwarzen25 Löwen in weiss setzt. Noch Grünenberg (i9 b ) gibt den Löwen im 4. Felde schwarz in weiss; dabei bezeichnet er die beidenobern Viertel als Königreich Kastilien, die beiden untern als Königreich Spanien! Auf dem Tristan-Teppich von Wienhausen(Nr. 6 oder 12) vielleicht ebenfalls das Wappen von Kastilien (Herold 1876, Tafel, und 1877 S. 124).(Wappen (mit irriger Quad-rierung und irrigen Farben, Seyler 204/5): in 1 und 4 schwarzer, eher schreitender als steigender Löwe in gelb (Leon), in 2 und3 rote Burg in weiss (Kastilien), in 3 reduziert auf einen Turm; Kl.: auf r. H. eckiges, oben mit roten Kugeln bestecktes Schirmbrett,30 mit Wiederholung des Schildbildes. — Als Kl. führt im historischen Wappen Kastilien den Turm wie im Schild, Leon denLöwen wachsend. Gemeinsames Kl. bei Grünenberg (i9 b ): weisser Strauss mitgelbem Hufeisen im Schnabel. Volles W. mit gelbemTurm als Kl.: B. Kurth Bildteppiche Taf. 178. (Siegel: Alfons X. als deutscher König bei Posse I Taf. 38/39, der mittlereTurm erhöht wie auf Geweben zu Valeria. Bearbeitung der spanischen Königssiegel in Vorbereitung (Ewald). ( Quellen:A.Heraldik:Siebm.12(AusserdeutscheStaatenwappen) 20 ff; HerArch XXXVIII 93 und Anz A nFXXVI 113; B. Genealogie:35 Grünenberg, Textbd. Seite 50; Hübneri (1737), Taff. 36/41; Grote 382/3; Lorenz-Devrient Taff. 13 und 35. [2
^ ARAGONIEN, von einer Hand des 15. Jhdts. „Arragun". Früheres selbständiges Königtum, jetzt spanische Landschaftmit dem Titel eines Königreichs, durch die Heirat König Ferdinands II. mit Isabella von Kastilien 1469 zu einem spanischenReich vereinigt (Grünenberg 19b und Textband Seite 47); von da an wurde der Schild geviert mit Kastilien-Leon und Aragon-Sizilien(Grünenberg 20, Textbd. S. 5 2). Durch den römisch-deutschen König und Kaiser Karl V. kam das spanischeWappen mit dem deutschen40 in Verbindung. Seit der Eroberung Granadas fügte man dem gevierten spanischen Schilde noch das Wappen dieses neuen Reichesin einer zwischen 1 und 2 eingeschobenen Spitze bei. Das historische Wappen zeigt in gelb drei rote Pfähle, als Kl. wachsendengelben Drachen, der das katalonische Banner, weiss mit rotem Kreuz, hält. Daneben finden sich im Schilde auch vier und mehrPfähle in gelb, bzw. von rot und gelb mehrmals gespalten. Bei Richental (100), Grünenberg und Ansbach Wb (9) 4 Pfähle, imAnsbachWb (18) auch 8 mal gespalten von rot und gelb bzw. 4 gelbe Pfähle in rot. ( Wappen: in gelb 5 mal gespalten von gelb45 und rot; Kl.: auf rotem Kissen Schirmbrett mit Wiederholung des Schildbildes, besteckt mit sieben Pfauenaugen, ( Siegel:Lecoy de la Marche Les sceaux 179; zahlreiche Literatur über die aragonischen Königssiegel bei Ewald Siegelkunde 9 (HandbuchvonBelow u. Meinecke IV); dazu H. Finke Acta Aragonensia I S. LXXXVIII und Ferran de Sagarra Sigillografia Catalana 1916.(Quellen: A. Heraldik : Siebm. I 2 (ausserdeutsche Staatenw.) 20 ff.; B. Genealogie: s. Nr. 2 und Grote 384/5. [3
4 SCHOTTLAND (Schotten,von jüngerer Hand). Irischer oder Schotten-Mönch?, ähnlich wieim Manessecodex Bl. 8 (v.Kraus50 Taf. 3; Zangemeister Taf. 2a; v. Oechelhäuser II 99): „künig Tyro von Schotten und Fridebrant, sin sun", doch fehltnoch im Manessecodex die Trinkschale, an deren Stelle der Mönch (mit weissem Untergewand und Pilgermuschel oder-tasche?) einen langen Stab oder Speer hält, mit Schwert (?) in der Linken. Fridebrant kämpfte neben seinem Freunde Morhold im
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