Druckschrift 
Die Wappenrolle von Zürich : ein heraldisches Denkmal d. 14. Jahrhunderts in getreuer farb. Nachbildung d. Originals mit d. Wappen aus dem Hause zum Loch
Entstehung
Seite
XXXIII
Einzelbild herunterladen
 

EINLEITUNG

ZUR WAPPENROLLE VON ZÜRICH

(TAFELN I-XXVII)von Friedrich Hegi

I. WAPPENWERKE DES 13. UND 14. JAHRHUNDERTS

Unter den ältesten Wappensammlungen des europäischen Mittelalters nimmt die Zürcher Wappenrolle(ZWR oder WR) einen hervorragenden und eigenartigen Platz ein. Für 5 5 9 Herrscher oder Länder, Dynastenund Geschlechter des Land- und Stadtadels vom Süden gegen die Mitte des alten deutschen Reiches zu über-liefert sie grösstenteils erstmals deren volle Wappen in den Farben und für 28 Erzbistümer, Bistümer undReichsabteien mit Einbezug der Rheinpfalz des ganzen mittelalterlichen Deutschlands deren Banner. Keineandere grössere, bewusst als solche angelegte handschriftliche Sammlung deutscher Wappen aus oder vor derZeit der Wappenrolle ist auf uns gekommen. Älter sind nur englische Wappenwerke: die Schild- und Wappen-beschreibungen in den Werken des Matthäus Parisiensis (f 1259) spätestens aus der Mitte des 13. Jahr-hunderts und die anscheinend ebenfalls unter der Regierung König Heinrichs III. einsetzenden englischenWappensammlungen (Rolls of Arms = Wappenlisten, nicht ohne weiteres als Rollen zu verstehen).Die Wappen bei Matthäus Parisiensis sind noch keine blossen Sammlungen, denn sie finden sich nur gelegentlichgruppiert und blasoniert, wie auf dem Blatte des Britischen Museums in London (Bibl. Cotton. Nero D. 1, S. 170)mit den fraglichen Guttäterschilden des Benediktinerstiftes St. Albans bei London c. 1244 1 ), sonst aber zerstreutin des Matthäus historischen Werken 2 ). Dagegen nähern sich in der Anlage und zum Teil in der Anzahl derWappen die verschiedenen sogen. Rolls of Arms des 13. und 14. Jahrhunderts unserer Wappensammlung.Die Grosszahl dieser älteren anscheinend meist nur durch Kopien seitens späterer Herolde überlieferten Wappen-listen ist bereits veröffentlicht worden, zum Teil schon vor der Erstausgabe der ZWR, aber die Kopien ent-halten grösseren Teils nur die alten Beschreibungen ohne Zeichnungen; Weston Styleman Walford führtsolche Veröffentlichungen an in The Archaeologia 39 II (1863) S. 374®) bei Besprechung und Drucklegungeiner durch zwei Kopien überlieferten Wappenrolle von c. 1280 mit 180 bzw. 184 Wappen der Kaiser vonDeutschland und Konstantinopel, der meisten Könige der Christenheit, verschiedener französischer und deut-scher Herzöge und Grafen sowie englischer Earls und Barone 4 ).

Von Walford angeregt, besprach und veröffentlichte mit der blossen Blasonierung und den Namen derSchildinhaber Charles Spencer Perceval zwei Wappenrollen aus der Regierungszeit Eduards I. als Fortsetzungvon Walfords Studie ebenfalls in The Archaeologia 39 II, 389-446. Die eine, im Besitze der Society of Anti-

x ) In Farben abgebildet in VJSHerold IX (1881), Text S. 107 ff; eine Auswahl bei StröhlHA Taf. XVIII.

2 ) Die Wappen in des Matthäus P. Flistoria minor Anglorum sind der dreibändigen Veröffentlichung dieser Historia durchFrederic Madden 1866-1869 beigegeben (die Farben aber nur blasoniert); vgl. dazu F. Hauptmann Die Wappen in der Historiaminor des Matthäus Parisiensis (JbAdler n. F. 19 [1909] S. 20 ff, mit 6 Tafeln). Die Chronica maiora sind in 7 Bänden hgg. von HenryRichards Luard 1872—1883 (wie die Historia minor in „rerum Britann. medii aevi SS. Rolls Series"), der in Bd. VI 469-477die Heraldik des M. P. besonders behandelt und alle Personen anführt, deren Wappen M. P. abbildet oder beschreibt.

3 ) So ist von Sir H. Nicolas eine Rolle aus der Zeit Heinrichs III. veröffentlicht, eine sehr grosse aus der Zeit Eduards II.und eine unter Eduard III. (die zweite und die Rolle von Boroughbridge unter Eduard II. veröffentlicht durch die Record Commis-sioners als Anhang zu den Parliamentary Writs, hg. durch Sir F. Palgrave), eine aus der Zeit Richards II. durch Mr. Willementund eine unter Eduard III. in den Collectanea Topographica & Genealogica II 3 20; ferner zwei Turnierrödel, bekannt als the Stepney& Dunstable Rolls, ebenda IV 63 u. 389.

4 ) The Archaeologia 39 11(1863) 8. 373-388: „A Roll of Arms of the Thirteenth Century" (nach der Kopie von NicolasCharles). - M. Prinet hat die französischen und deutschen Schilde dieser Rolle nach der durch Hearne veröffentlichten Kopie vonJohn Leland in Le Moyen Age 2. Folge 23 (1923) S. 223 ff besprochen. Diese Veröffentlichung wurde für die Neuausgabe der ZWRbeigezogen, zitiert „Prinet".

Einleitung ZWR

XXXIII