Baldegg 1 ) und die Gestalten von 27 (heute noch 23) bei Sempach gefallenen Herren mit vollem beigesetztenWappen in der Agneskapelle zu Königsfelden 2 ); die dortigen Chorfresken wie die durch Cysat überliefertensonstigen Wappenfolgen gehören jedenfalls erst dem 15. Jhdt. an. Eine Reihe von Kirchen und Klöstern inDeutschland mit Wappenreihen von Guttätern wie zu St. Urban 3 ) führt übrigens auch F. Mone in seiner Kritikdes Wappens der deutschen Minnesinger an 4 ); dazu gesellen sich das Minoritenkloster in Wien 5 ), die St. Georgs-kirche in Verona 8 ), die Schilde in der Elisabethenkirche zu Marburg 7 ) u. a.
Gruppierungen von Wappen, die dem Wesen der ZWR nahe oder für sie verwertbar sind, prangen inweiterer dekorativer Anwendung der Heraldik auf den Teppichen von Wienhausen und Celle, auf gesticktenBeuteln wie dem von Ganz Taf. II (Beilage zu S. 108) in Farben wiedergegebenen mit Seide gestickten WalliserTäschchen aus dem 13. Jhdt., auf sogen. Minne- oder Schatzkästchen; von solchen kommen zeitlich für dieZWR in Betracht die Kästchen von Attinghausen, Heiligkreuztal, Scheid und Zürich 8 ).
II. DIE WAPPENROLLE VON ZÜRICH (=WR)
1) Geschichte der Handschrift.
Ähnlich wie bei den meisten ältesten heraldischen Wappenwerken, bei den englischen Wappenrollen, beider Manesse- und bei der WeingartnerHs u. a., lassen sich auch die Schicksale der Zürcher WR nicht überdas 16. Jhdt. zurück verfolgen. Was vordem mit ihr geschehen ist, wird wohl immer im Dunkel der Ge-schichte verbleiben. Von ihrer Existenz wissen wir bis ins 18. Jhdt. eigentlich nur indirekt durch die äl-teste Kopie der WTR. in Aulendorf. Diese wie die Kopie des 18. Jhdts. von Bernhauser erweisen durchihren Bestand, dass der Umfang der Rolle vom 16. bis 18. Jhdt. derselbe und offenbar auch der Grad ihrerErhaltung ziemlich der gleiche geblieben sind. Die Wappen, die Bernhauser nicht mehr recht erkennen konnte,sind schon im 16. Jhdt. undeutlich gewesen und ihr Zustand hatte den damaligen Kopisten sogar veranlasst,die unkenntlichsten überhaupt wegzulassen. Einige nicht mehr im Original erhaltenen Wappen überliefern dieKopisten verschieden, weil sie offenbar nicht dieselben Figuren erkannten, Einzelheiten wegliessen oder zu-fügten, s. Taf. XXVII (Aulendorfer Kopie). Die beiden Kopien sind im übrigen für sich beschrieben (S. LXVIund LXIX). Aus ihnen geht hervor, dass die originale Rolle bis ins 18. Jhdt. einen wesentlich grösseren Umfanggehabt hat als heute. Ob die damalige Zahl der Wappen die ursprüngliche gewesen ist, lässt sich nicht mehrentscheiden. Das Felden nicht unbedeutender Geschlechter wie der Herren von Seen, aus denen Hartmannvon S. sogar bei Gelre mit vollem Wappen vorkommt (III 581 ff, Taf. XXIII), lässt leicht die Vermutung auf-kommen, die Sammlung sei vor der Erstellung der Aulendorferkopie noch reichhaltiger gewesen. Indessenfinden sich ähnliche auffallende Lücken, wie Walford in The Archaeologia 39 II, 379 bemerkt, in der englischenRolle von c. 1280, so dass aus solchen Mängeln keine derartigen Schlüsse gezogen werden müssen.
Versuche, die Schicksale der WR über den Besitz bei J. J. Scheuchzer zurückzuverfolgen, möchte manauch gern anstellen an Hand von Einwirkungen der Rolle auf ältere Wappenbücher. Sichere Spuren ihrer Be-nutzung liessen sich aber bis jetzt bei keinem einzigen alten Wappenbuche feststellen, wie schon Friedr. v. Wysszutreffend erklärt hat. Solche lägen vor, wenn die Reihenfolge der Wappen eine ähnliche oder gleiche wäre oderwenn eine Reihe von Wappen des gleichen Landes bzw. Standes oder Geschlechtes eigenartig übereinstimmten,wie dies mit zehn von Grünenberg Fol. 128 aus der WeingartnerHs übernommenen Minnesängerwappen derFall ist, wo übrigens die Quelle ziemlich klar genannt ist. Die auffallendsten Ähnlichkeiten finden sich bei denfremdländischen Herrscherwappen, die zum Teil Phantasieerzeugnisse sind. Bei genauerem Vergleichen deralten Wappensammlungen, Wappengedichte und der mittelalterlichen Dichtung überhaupt kommt man aber
4 ) HerArch XIV (1900) 97 f.
2 ) AnzA n. F. XVI (1914) 325 ff; WMerz Führer durch Königsfelden 4 4 f.
3 ) HerArch XIV (1900) 90 ff.
4 ) Herold XXIV (1893) 29.
5 ) HerArch XXXIX (1925) 68 und XLII (1928) 90, SA 19 und 80.
6 ) Burgwart XIV (1913) 159 ff.
7 ) F. Warnecke Die mittelalterlichen heraldischen Kampfschilde in der St. Elisabeth-Kirche zu Marburg (1884); vgl. dazuHerold XVT (1885) 136 und XXI (1890) 107.
8 ) Letzteres erworben aus dem Nachlasse Dr. Angsts vom Schweiz. Landesmuseum (Jbericht 31 [1922] Abbild. 2 u. S. 46 f).Vgl. nun allgemein Heinr. Kohlhausen Minnekästchen im Mittelalter, Berlin 1928.
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Einleitung ZWR