Cap. ?. i. Abtheil. vom Arm'mschen Gesch lecht. 61
vor solcher Zeit davon aufgezeichnet worden/und bleibet es demnach wohl einerichtige Folge / daß man vor dem zwölften Jahrhundert gar selten von beson-dern adelichen Geschlechtern Nachricht haben könne/ mithin auch niemand imStande sey / mir Grund davon etwas zu melden.
> Diesen Mangel hat man in nachfolgenden Zeiten mit mancherley Erfin»düngen zu ersetzen gesuchet/ welche auch wegen der mehreften Menschen na-türlichen Neigung zu den Fabeln eine Zeitlang für Wahrheit angenommen,von Poeten und Rednern mit wohl ausgesonnenen Zusätzen ausgeschmücket,und von verschiedenen Beschicht-Schreibern des Beyfals gewürdiget und an-geführet worden. Aus einer maßigen Aehnlichkeit oder Uebereinstimmungdes Geschlechts-Nahmens/ hat die Ableitung von den Römern / ältestenteutschen Völkern oder deren Heerführern/ sich erzwingen lassen müssen/ eshat sich im übrigen mit der Zeit-Rechnung und historischen Zusammenhang,reimen mögen oder nicht. Die mehreste etwas alte Beschreibungen der ade-lichen Geschlechter sind hiervon voll, und wäre zu wünschen, daß dergleichenabentheürliche Mährlein in netten Schriften nicht fortgepflanzet, noch im Ernstals wahr ausgegeben, und dadurch die Gesthlecht-Register von vornehmenund meririrten Familien zum theil lächerlich gemachet würdet?. Denn zu de-nen Zeiten als die Geschlechts Nahmen angenommen worden, hat man wohlso wenig an die Römer als alte teutsche Völker gedacht, welche dem teutschenAdel im eilften und zwölften Leeulo viel zu unbekant gewesen, daß solcher dieGeschlechts-Nahmen denenselben abgeborget, oder sich von selbigen hergelei-tet haben solte, und verdienen solchemnach die neuern überhaupt wenig Glau-ben mit solchem Vorgeben, wovon die ältere zu gleicher Zeit gelebteGeschicht-Schreiber nichts melden.
Aus vorgesetzten Umständen kan von dem Ursprung der alten adelichenGeschlechter mehr nichts mit Grunde der Wahrheit beygebracht werden, alsdaß solche unter denen Waffen und bey Gelegenheit des Krieges ihren Anfanggenommen, und durch Tapferkeit sich berühmt gemacht, und dieses ist demsämtlichen alten Adel gemein, da im Gegentheil der neuere auch ausser diesemseinen Anfang, der Gelehrsamkeit, grossen Vermögen und vielerley andernUrsachen, zu danken hat. (6) Die Kriegs Tapferkeit hat, wie bey andernVölkern, also auch insbesondere bey den Teutschen, so wohl vor, als gerau-me Zeit nach angenommenen Christenthum, vor andern Tugenden den Vor-zug gehabt, wannenhero auch bey denenselben die Jagd, und die Waffen zuführen hauptsächlich vor freye Künste gehalten worden, (e) Hierzu ist auchin alten Zeiten niemand als ein In^enuuz, oder nach heutiger Mund-Art einEdelmann, gelassen, welche sich alle denen Waffen gewiedmet, nnd vomdreyzehenden Jahre an bey Kriegs-Zeiten so leicht keiner vom Kriegs-Heer
P weg-
(6) S. duncÜinA. in villert. ^gn Vsnrer nokiliret dsp. II. §. XVI. XVII.
(e) ^Nomss. cls Homin. propr. §. ioc>. <3ermsno» jsm tempors ^sciti ve-
nario erst uns cum miliris sn msxime Ubersli».