Zweyte Abtheilung. Cap. 5. 465
Zuneigung sollte man sich eher fürchten, als für ih-rem Haß und bösen Gesinnung gegen uns.
Suchet euch, meine Brüder, in der LiebeGottes zu erhalten; denn hier ist Weisheit l 0glückselige Seelen, die seine Lieblinge sind! Rich-tet um Gottes willen eure Gedanken hierauf, undsuchet euch dessen zu versichern; sorget für allenDingen dafür, daß ihr aufrichtig möget erfundenwerden. Lasset niemand unter euch den Schlußmachen, daß darum alles wohl stehe, weil ihr un-ter denen seyd, die da leiden: Sehet ausdie Haupt«sache, daß eure Herzen von einer keden Sündegründlich bekehret, und auf Gott, als euer höchstesGut, so euch eine vollkommene Glückseligkeit ge-währen will, gerichtet werde: Hütet euch, daß nie«mand unter euch zwar den Namen eines Christenhabe, in der That aber nichts weiter, als ein bey-nahe Christ sey. Um der Liebe eurer Seele wil-len untersuchet doch genau, und stellet eine fleißigePrüfung an, wie es im Grunde mit euch stehe;denn es gehet mir sehr nahe, wenn ich gedenkensolle, daß einer unter euch in so tiefem Verderbenstecke, und in so großer Gefahr sey, als diejenigenunstreitig sind, die auf denen nach ihrer Meynungverfaßten Wegen des Volks Gottes-einher zu ge-hen keine Lust haben, und dennoch endlich aus Man-gel einer richtigen und gesunden Beschaffenheit inder Hauptsache, ich meyne, in der Bekehrung undWidergeburt, verlohren gehen. Es ist niemand inder Welt so elend dran, als ein ungesunder Beken-mrder Religion,denn er soll von der Welt gehastetund verfolget werden, weil er das Bekanntniß an-nimmt ; und dennoch von Gott noch dazu verworfenThätiges Christel,ch. G g wer-