Zweyte Abtheilung. Cap. 2. 395
wenn wir ihm nicht zu gefallen bemühet sind.Wenn jemand zu finden wäre, der euch von Got-tes Zorn erretten könnte, so hattet ihr eben nichtvon nöthen, so sorgfaltig dahin zu sehen, wie ihr ihmgefallen möchtet; allein, dafern er nicht mituns versöhnet ist, so sind wir alle verlohren. Du,du, 0 Gott, mußt gefürchtet werden, werWird bestehen für deinem Grimm? Wenn dieMenschen den Zorn Gottes gering halten, wenn sieseine Furcht und Schrecken nicht zu Herzen fassen,so ist «6 kein Wunder, wenn sie keine Sorge tra-gen, wie sie ihm gefallen mögen. Ihr müsset da,von rechtschaffen überzeuget s'yn, daß das Mikfal,len Gottes an uns das allerfchrecklichste auf Erdensey, denn sonst werdet ibr nimmer diese schwere Le-ktion fassen. Meine Geliebte, was würde eSeuch wohl helfen, wenn ihr denen Menschen gefal-len solltet, und die ganze Welt auf eurer Seitestünde, so lange ihr Gott zum Feinde habet?WaSwürde es euch wohl helfen, wenn Gott im Gerich-»te wider euch ausstehen, und euch verdammen soll-te, obscbon alle Menschen euch seegnelen, und nichtsals Gutes von euch redeten. Es ist nicht einRichtstuhl derer Menschen, sondert, Gottes, vordem ihr stehen müsftt. Es sind nicht Vota undStimmen der MeMchen, nach welchen ihr müssetverurtheilet und losgesprochen werden. Es wirdallda nicht nach denen meisten Stimmen gehen,sondern Gott selbst wird Richter scyn/ Ps.z;,^Bey ihm ist Tod und Leben. Was würde es ei-nem Menschen, der am Leben sollte gestrafet wer-den, helfen, wenn alle seine Mitgefangene um ihnThätiges Christenrh» B b herum