542 Meins Grundlegung,
§. i9l.
V. Befleißiget ihr euch der Selbstver-leugnung, da andere die geringen und leich-ten Pflichten des Christenthums nur ausübenwollen? Richtet ihr eure Gedanken auf das, wor-um man Gott am besten dienen kann, wenn ande-re nur auf das sehen, was ihnen am meisten Nu-tzes schaffet? Habt ihr ein solch edles Gemüthe,und einen so hohen Geist, daß ihr euch entschließet,Gott nicht mit dem zu dienen, was euch nichts ko-sten sollte, sondern alles dran zu wenden; dahin-gegen andere auf dem Wege zum Himmel sparenwollen, was gesparet werden kann? Ist euerChri-stenthum so beschaffen, daß es eurem Fleische wehethut, und daß es eure Begierden kreuziget und zäh-inet; oder gebt ihr nichr viel lieber eurem Fleische-was es verlanget, und lasset ihm seinen freyen Wil-len? Hadt ihr keinen Feind, den ihr mehr fürch-tet, als euch selbst? Verzärtelt ihr euer Fleisch,thut ihr ihm gütlich, und sorget ihr lediglich fürdasselbe? Oder betet und wachet ihr wider solches,und ängstiget ihr euch wegen desselben Schwach-heiten und Gebrechen in cumn Thun und Verrich-tungen ? Ist es euch lieber, daß dieser Feind euchzu Füßen liegen möge?
§. 192.
VI. Strebet ihr nach dem höchsten Gi-pfel im Christenthum, wenn andere nicht nachmehreren streben, als wozu sie die höchsteNoth treibet. Der Heuchler fraget gar fleißig,(wie einer-gar wohl gesaget hat,) nach der kleinstenStatur, die ein Mensch haben kann, und die da