54 Alleins Grundlegung,
dieselbe. Sie sticht und verwundet ihn, nickt an-ders, als ein Dom in seiner Seite, und ein Stachelin seinen Augen. Er kämpfet unter derselben, ru-fet und schreyet, wo nicht eben mit Worten, jedochinniglich und von Herzen: Ich elender Mensch!Er bezeiget sich unm keiner Last so ungeduldig, alsunttr der Last seiner Sünde. Wenn er nur dieSünde völlig los werden konnte, würde er, wennihm Gott die Macht lassen sollte, das allergrößteUngemach dasür'erwählen. Die Sünde ist nichtsanders als ein schneidender Sand in seinen Schu-hen, welcher ihm im Gehen lauter Verdruß erwecket«Da er , noch unbekehrt war, machte er sich nichtsaus der Sünde. Er hegte sie in seinem Schooß,wie Urias sein Schaaf. Er zog sie auf, und siewuchs zugleich mit ihm; sie aß von seinemVissen und trank aus seinem Becher; sie schliefin jemem Busen, und er hielte sie, wie seine Toch-ter. Da ihm aber Gott seine Augen, durch dieBekehrung öfnete, warf er sie weg, wie einen Uu-fiath. Er warf sie weg, wie ein Mensch eine heß-liche Kröte, welche er im Finstern in seinen Busengesteckt, in der Meynung, als ob es ein schöner Vo-gel sey, der ihn; keinen Schaden bringen werde, vonsich zu werfen pfleget. WenndasHerz eines Men-schen rechtschaffen geändert ist, findet sich bey ihmeine gründliche Ueberzeugung, daß die Sünde denMenschen nicht nur in große Gefahr stürze, sondernihn auch nothwendig auf das heßlichste befleckenmüßte. O wie inbrünstig ersucht er seinen Gort,daß er möge hiervon gereiniget werden. Er mußsich nun selbst schämen, und jchamroth werden,
über