68 Leben, Charakter und Amtsführung
werden. Ein jeglicher wird von euch erwar-ten, daß ihr heiliger sepd, als andere, da ihezu der Ehre berufen worden, mit Verlust al-les Irdischen?eugen Jesu Christi zu ftxn.Dabey einhielt cr sich von aller harten Beurtheilungderer, die in Neligions-nnd Kirchensachen mit ihmnicht einerley Meynung waren, oder die zu seinemgegenwärtigen Leiden das Ihrige beygetragen hat-ten; wenn sie nur nicht Grundirrthümern zugethanwaren, oder ein gottloses Leben führeten, so em-pfahl er sie alle der Barmherzigkeit Jesu Christi zumewigen Leben. Nichts destoweniger mußte er sichaufrührischer Versamlungen und Complots be-schuldigen lassen, ob man gleich kein Drokwortvon ihm hörete, und von ihm als einem solchen, dernur mitGebetund Thränen gewaffnet war, nichtsgefährliches befürchtet werden durfte. Das warder Grund, der einige obrigkeitliche Bedienten beyihrer wirksamen Bitterkeit des Herzens reizte, ihnaus eine schnöde Art zu mißhandeln und zuverspot«ten, welches am meisten von einigen Weibspersonenvon Stande geschach, die man mit zum Verhör^der mit ihm angestellet wurde, zuließ, und die sofrech waren, daß sie zu ihm sagten, wenn er nichtden Galgen verdienet hätte, so wollten sie sicb selbstaufhängen lassen. Und da sie an seiner großenStille merkten, daß er ihreSpöttereym und Dro-hungen nicht zu Herzen nehme, so wurden sie da-durch noch wütender gemachet. Es begehrten dieobrigkeitlichen Personen von ihm, daß er sich selbstanklagen sollte, und da sie ihn nicht dazu bewegenkonnten, und er vielmehr von ihnen entweder Ue-berzeugung böser Thaten, oder Gerechtigkeit erwar-tete,