Druckschrift 
Aus dem Leben eines Taugenichts : Novelle
Entstehung
Seite
135
Einzelbild herunterladen
 

135

über dcn Nasen tiefer in dcn Garten hinein. Ich sah esnoch znr rechten Zeit und lief ihr eiligst nach. Die Musi-kanten merkten in ihrem Eifer nichts davon, sie meintennachher: wir wären schon nach dem Schlosse aufgebrochen,und die ganze Bande setzte sich nun mit Musik uud großemGetümmel gleichfalls dorthin auf den Marsch.

Wir aber waren fast zu gleicher Zeit in einem Som-merhanse angekommen, das am AbHange des Gartens stand,mit dem offnen Fenster nach dem weiten, tiefen Thale zu.Die Sonne war schon lange untergegangen hinter den Ber-gen, es schimmerte nur noch wie ein röthlicher Dust überdem warmen, verschallenden Abend, aus dem die Donau im-mer vernehmlicher herauf rauschte, je stiller es ringsumwurde. Ich sah unverwandt die schone Gräfin an, die ganzerhitzt vom Laufen dicht vor mir stand, so daß ich ordentlichhören konnte, wie ihr das Herz schlug. Ich wußte nun abergar nicht, was ich sprechen sollte vor Respekt, da ich aufeinmal so allein mit ihr war. Endlich faßte ich ein Herz,nahm ihr kleines, weißes Händchen da zog sie mich schnellan sich und fiel mir um den Hals, und ich umschlang siefest mit beiden Armen.

Sie machte sich aber geschwind wieder los und legtesich ganz verwirrt in das Fenster, nm ihre glühenden Wan-gen in der Abendlnst abzukühlen.Ach," rief ich,mirist mein Herz recht zum Zerspringen, aber ich kann mir nochAlles nicht recht denken, es ist mir Alles noch wie einTraum!"Mir auch," sagte die schöne gnädige Frau.