100
Schatten und über das alle Gemäuer und die von Epheuwild überwachsenen, halb versunkenen Säulen hinten im Gar-ten, während man von der andern Seite tief unter den Wein-bergen die Stadt Rom in den Abendgluthen liegen sah. Datanzten sie Alle lieblich im Grünen in der klaren stillen Luft,und mir lachte das Herz recht im Leibe, wie die schlankenMädchen und die Kammerjungfer mitten unter ihnen sich somit aufgehobenen Armen wie heidnische Waldnymphen zwischendem Laubwerk schwangen, und dabei jedesmal in der Luftmit den Castagnetten lustig dazu schnalzten. Ich konnte michuicht länger halten, ich sprang mitten nnter sie hinein undmachte, während ich dabei immerfort geigte, recht artige Fi-guren.
Ich mochte eine ziemliche Weile so im Kreise herum ge-sprungen sein und merkte gar nicht, daß die Andern unterdeßansingen müde zu werden uud sich nach und nach von demRasenplätze verloren. Da zupfte mich Jemand von hintentüchtig an den Rockschößen. Es war die Kammerjuugfer.„Sei kein Narr," sagte sie leise: „du springst ja wie einZiegenbock! Studire deinen Zettel ordentlich und kommbald nach, die schöne, junge Gräfin wartet." — Und damitschlüpfte sie in der Dämmerung zur Gartenpforte hinaus,uud war bald zwischen den Weingärten verschwunden.
Mir klopfte das Herz, ich wäre am liebsten gleich nach-gesprungen. Zum Glück zündete der Kellner, da es schondunkel geworden war, in einer großen Laterne an der Garten-thür Licht an. Ich trat heran und zog geschwind den Zettel