Druckschrift 
Aus dem Leben eines Taugenichts : Novelle
Entstehung
Seite
97
Einzelbild herunterladen
 

97

cS halten! O du Ungetreue, dn Falsche!" fuhr er dannvon Neuem gegen das arme Mädchen fort,du kritischeSeele, die in der Malerkunst nur den Silberblick, und in derDichterkunst nur den goldenen Faden sucht, und keinen Lieb-sten, sondern uur lauter Schätze hat! Ich wünsche dir hin-sühro, anstatt eines ehrlichen malerischen Pinsels, einen altenDuca mit einer ganzen Münzgrube von Diamanten auf derNase, und mit Hellem Silberblick auf der kahlen Platte, undmit Goldschnitt auf den Paar noch übrigen Haaren! Ja nurheraus mit dem verruchten Zettel, den du da vorhin vornur versteckt hast! Was hast du wieder angezettelt? Vonwem ist der Wisch, uud an wen ist er?"

Aber das Mädchen sträubte sich standhaft, und je eifrigerdie Andern den erboßten jungen Menschen umgaben und ihnmit großem Lärm zu trösten und zu beruhigen suchten, destoerhitzter und toller wnrde er von dem Rumor, zumal da dasMädchen auch ihr Mäulcheu nicht halten konnte, bis sie end-lich weinend aus dein verworrenen Knäuel hervorflog, undsich auf einmal ganz unverhofft an meine Brust stürzte, umbei mir Schutz zu suchen. Ich stellte mich auch sogleich indie gehörige Positur, aber da die Andern in dem Getümmelso eben nicht ans uns Acht gaben, kehrte sie plötzlich dasKöpfchen nach mir herauf und flüsterte mir mit ganz ruhi-gem Gesicht sehr leise und schnell ins .Ohr:du abscheulicherEinnehmer! um dich muß ich das Alles leiden. Da, steck'den fatalen Zettel geschwind zu dir, dn findest darans be-merkt, wo wir wohnen, Mso zur bestimmten Stunde, wennAns d. Lcbcn eines Taugenichts. 7