______ iflRtgMMMMBm
2. Exponentielles Literaturwachstum
Die massenhafte Produktion von Büchernund Abhandlungen wird eine Kalamität,weil das Gediegene, Wertvolle und Not-wendige immer mehr in der Fülle desUnnützen verschwindet und von ihm er-stickt zu werden droht. „Wie können wirdie Buchproduktion einschränken?" istdaher eine Kulturfrage ersten Ranges. Siegeht in erster Linie Deutschland an, undes ist höchste Zeit, daß sich umsichtigeGelehrte, Schriftsteller und Patrioten mitdieser Frage beschäftigen.
Adolf von Harnack (1911)
I
Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges deckte der ame-rikanische Bibliothekar Fremont Rider das Gesetz des exponen-tiellen Literaturwachstums auf. Seit geraumer Zeit, so fand er, hattesich der Buchbestand in den kleineren wissenschaftlichen Biblio-theken alle sechzehn Jahre verdoppelt, und in den führendenForschungsbibliotheken alle neun Jahre. 1 Die von Rider diagno-stizierte Parabel ist heute als Wachstumskurve allgemein anerkannt.Neuere Beobachter konstatieren zwar einen nicht mehr ganz sosteilen Anstieg und halten eine weitere Abflachung für möglich,doch ziehen sie die Gültigkeit der Figur nicht in Zweifel. 2 Es gilt alsausgemacht, daß die Produktion der wissenschaftlichen Literaturexponentiell zunimmt und auch weiterhin zunehmen wird, wennnicht plötzliche Veränderungen im Wissenschaftsbetrieb auftreten.
Es gehört zum Wesen exponentieller Kurven, daß ihr Wachstum fürlängere Zeit unbemerkt bleibt, weil es sich in akzeptablen Grenzenhält. So erklärt es sich, daß die Zunahme der wissenschaftlichenLiteratur zunächst unbeachtet vor sich ging. Mit dem steilen Anstiegder Parabel wurde eine Wahrnehmungsschwelle überschritten, sodaß sich die Literaturfülle plötzlich als das Problem darbot, als das
IM
miWM
n
MW
B—■■,.
I - \ i
Hl
Pili
Iran
fSeSmm
kbbPw
m
m
0§GS