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Als Benutzer unserer Bibliotheken wird in erster Linie ein stan-dardisierbarer Ein-Buch-Leser erwartet, und in Abstimmung aufseine Bedürfnisse ist auch ein großer Teil der Bibliotheksneubautender letzten Jahrzehnte konzipiert worden. Dieser Benutzer benötigteinen Platz im Lesesaal, an dem er für kürzere oder längere Zeit einoder zwei Bücher bearbeitet. Sein ,Apparat' ist minimal: einNotizbuch und vielleicht ein paar Kopien.
Für literaturintensive Arbeitsvorhaben, wie es geisteswissenschaft-liche Forschungsprojekte in der Regel sind, reichen die ,normalen'Arbeitsplätze in einer Bibliothek nicht aus. Es sind spezielleArbeitsplätze erforderlich, die etwa den Aufbau eines Apparatesoder kontinuierliche Arbeit über einen längeren Zeitraum gestatten.Auch der Gebrauch von Schreibmaschinen oder Diktiergeräten mußmöglich sein, der schalldämpfende Kabinen voraussetzt. In denVereinigten Staaten ist die Arbeitskabine für den speziellen' Leser(carrel) ein fester Begriff. Sogar die undergraduate libraries ver-fügen in der Mehrzahl über eine Palette von unterschiedlichenSpezialarbeitsplätzen, die nicht nur besonderen Erfordernissen,sondern auch individuellen Arbeitsweisen entgegenkommen.
In deutschen Bibliotheken fehlt es weitgehend an solchen Ar-beitsplätzen. 10 Benutzer, die mehr als die Hälfte eines Zweiertischesfür ihre Arbeit benötigen, sind fast immer schlecht versorgt. Invielen neueren Bibliotheken sind carrels - bisweilen verlegeneAnspielungen auf amerikanische Vorbilder - schon für bescheideneAnsprüche unbrauchbar und für längeres Arbeiten unzumutbar.Auch in solchen Bibliotheken, die mit einigem Aufwand gebaut undausgestattet worden sind, finden sich ,intensive' oder ,atypische'Benutzer meist in dunklen Ecken oder abgelegenen Nischen wieder.Es scheint charakteristisch für die deutschen Verhältnisse zu sein,daß selbst der ästhetisch anspruchsvollste Bibliotheksneubau desletzten Jahrzehnts ergonomisch defizient ist: alle Einzelarbeits-kabinen können nur bei dauernder Neonbeleuchtung benutztwerden.
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Es ist nicht nötig, hier im einzelnen die Voraussetzungen zu nennen,die erfüllt sein müssen oder sollten, damit eine zentrale Uni-versitätsbibliothek eine brauchbare Forschungsbibliothek abgibt.
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