5%&$$ki- v I lMl[iM3i
183
tralistischen System.
Infolge der Ausgabenbeschränkungen der letzten Jahre sind vor-nehmlich die Informationseinrichtungen für den Bereich der Na-turwissenschaften, der Medizin und der Technik ausgebaut worden.Das bedeutet nicht nur eine Einschränkung der Informations-tätigkeit und damit eine Erschwerung der Literaturversorgung imgeisteswissenschaftlichen Bereich. Es bedeutet vor allem, daß dieInformations- und Literaturversorgungseinrichtungen im naturwis-senschaftlich-technischen und medizinischen Bereich zum Denk-und Orientierungsmodell werden. Da die Einrichtungen diesesBereichs zentralisiert sind, wird eine für das Bibliothekswesen derBundesrepublik atypische Erscheinung zur Norm.
Die Verhältnisse in den Geisteswissenschaften, für die bislang keinevergleichbare Reduktion von Komplexität versucht worden ist,müssen sich zwangsläufig in dem Maße als intraktabel heraus-stellen, in dem Literaturnachweis und Literaturbeschaffung imRahmen zentralistischer Systeme perfektioniert werden. Alle Über-legungen, die neuerdings in der Bundesrepublik zur Verbesserungder Literaturversorgung angestellt werden und die auf eine weit-gehende Automatisierung abzielen, gehen von Prämissen aus, diefür die Geisteswissenschaften als den literaturintensivsten Teil derForschung nicht zutreffen. Der Zeitpunkt, zu dem die Litera-turermittlung und die Literaturbeschaffung in den Geisteswissen-schaften als Sonderfall' und ,Randphänomen' aus der allgemeinenBetrachtung ausgeschieden wird, ist bereits abzusehen. a
II
B
a Wie sich die Informationsvermittlung und die Literaturbeschaffung in denGeisteswissenschaften vor dem Hintergrund der immer wieder opulent entwor-fenen Szenarios des anbrechenden Zeitalters der elektronisch nachgewiesenen undbeschafften Literatur in Wirklichkeit ausnimmt, ist einer kleinen, aus öffentlichenMitteln geförderten Broschüre zu entnehmen. „Der Benutzer," heißt es dort, „sollteunbedingt alle bibliographischen Informationen , die er bei der Literaturrechercheermittelt hat, in die Bibliothek mitbringen, wenn er eine Leihverkehrsbestellungabgeben will." 10 Das beschreibt akkurat die Prozedur: daß der Benutzer persönlichzur Abgabe einer Fernleihbestellung bei der Bibliothek vorstellig werden muß undin Erfüllung der Leihverkehrsordnung sein bibliographisches Kreditiv zu über-reichen hat. Im Vergleich zu den Verhältnissen bei der Einführung des Leih-verkehrs am Ende des neunzehnten Jahrhunderts bedeutet dies eine Verschlech-terung der Benutzersituation. Wie sich unter solchen Bedingungen literaturin-