Druckschrift 
Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
Entstehung
Seite
171
Einzelbild herunterladen
 

171

und ihr Versand ist billiger als der eines Buches oder einer größerenMenge von Papierkopien. 15

Die Anfertigung der Originale, von denen die Kopien gezogenwerden (masterfiche), erfolgt mit Hilfe einer speziellen Kamera(Reihenschrittkamera). 16 Ihre Handhabung bietet für Fachpersonalkeine Schwierigkeiten. Die Stundenleistung einer hochwertigenKamera liegt bei etwa 700 Aufnahmen. 17 Die Qualität des ver-fügbaren Filmmaterials genügt hohen Ansprüchen sowohl anAuflösungsvermögen wie an Haltbarkeit. Seit einiger Zeit könnenFarbmikrofiches ohne zusätzlichen Aufwand hergestellt werden, sodaß auch die Reproduktion von farbigen Abbildungen möglich ist.Mikroaufnahmen stellen unter normalen Bedingungen keine Ge-fahr für die verfilmten Bücher dar. Die Einbände werden, anders alsbei Papierkopien, nur wenig beansprucht, und Experimente mitSpiegelsystemen, die bei fragilen Büchern nur einen minimalenÖffnungswinkel erfordern, sind erfolgreich gewesen. 18

iji'iül

Die Verwendung von Mikrofiches für die Literaturversorgung derGeisteswissenschaften würde zunächst dringende konservatorischeProbleme lösen. Bei entsprechender Ausstattung der Bibliothekenbrauchte die gesamte vor 1900 erschienene Literatur nicht mehr indie Fernleihe gegeben zu werden. Jedes einmal verfilmte Buchkönnte archiviert werden. Seine Benutzung wäre nur dann nocherforderlich, wenn es nicht um den Informationsgehalt des Werkes,sondern um das Buch als physischen Gegenstand ginge, wie etwabei bibliographischen, druckgeschichtlichen oder ähnlichen Un-tersuchungen. Die Benutzung würde in diesen Fällen in der Regelam Ort der Aufbewahrung erfolgen.

Überdies wäre eine Verstärkung von lokalen Ressourcen möglich.Sie ist besonders bei kriegsgeschädigten und neuerrichteten wis-senschaftlichen Bibliotheken vordringlich, wo es allenthalben anQuellenmaterial und älterer wissenschaftlicher Literatur fehlt. DerAnteil dieser Literatur an den Fernleihbestellungen beträgt in letzterZeit rund vierzig Prozent. 19 Durch die mikrographische Verviel-fältigung entsprechender Werke ließen sich im Laufe der Zeitzahlreiche Lücken mit relativ geringem finanziellen Aufwandschließen. Es wäre dazu nur erforderlich, daß von jeder Fern-

II

I

f

l

II