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Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
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5. Defizitäre Voraussetzungen - defizitäre Forschung?

I

Über die Wechselbeziehungen zwischen Wissenschaftsinstitutionund Forschungsleistung ist wenig bekannt, und es ist fraglich, ob esdarüber allgemeinverbindliche Erkenntnisse geben kann. Die unterder BezeichnungForschungsmessung" seit einiger Zeit unter-nommenen Versuche, Tätigkeit und Leistung des Forschers quan-tifizierbar zu machen, erhellen diese Zusammenhänge nicht. Siebeschränken sich auf den Entwurf von Maßstäben für den Vergleichindividueller Leistungen. 1 Die Frage, wie die möglichen odernotwendigen institutionellen Voraussetzungen für Forschungslei-stungen auszusehen haben, wird in der Regel nicht gestellt. 2

Die gängige Auffassung vom Verhältnis zwischen Forscher undInstitution ist die vom Primat der wissenschaftlichen Persönlichkeit.Orientiert an jenen Beispielen aus der Wissenschaftsgeschichte, indenen sich der Erfolg des Forschers auch unter widrigen insti-tutionellen Gegebenheiten eingestellt hat, postuliert sie die Un-abhängigkeit des Forschers von der Institution: Wer als Forscherbegabt ist, kommt auch ohne eine ihn tragende Institution zum Ziel.Selbst wenn daran im Einzelfall etwas Richtiges sein sollte, wirdübersehen, daß es mehr Beispiele für das Gegenteil gibt: denwissenschaftlichen Erfolg als Ergebnis eines Zusammenspiels vonPerson und Institution. Im Idealfall, und das bezeichnet dieGegenposition, übt die Institution sogar einen förderlichen Druckauf den Forscher aus: Sie provoziert ihn zu besonderen Leistungen.

Es geht hier nicht um das gesamte Spektrum dieser Wechsel-beziehungen. Ich möchte vor dem Hintergrund der Gegenwarts-probleme des wissenschaftlichen Bibliothekswesens in der Bun-desrepublik nur andeuten, daß infolge defizitärer institutionellerVoraussetzungen Minderleistungen auftreten können, die wahr-nehmbar, wenn auch nicht direkt ,meßbar' sind.

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