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Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
Entstehung
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irrelevant and unimportant." 22

Die unmittelbare Anschauung von einem geisteswissenschaftlichenForschungsprozeß liefert Ernst Robert Curtius' Europäische Li-teratur und lateinisches Mittelalter. 23 In den Leitsätzen und imEpilog dieses Buches entdeckt sich, apercuhaft, nicht nur dieTechnik und Taktik des mit fast künstlerischer Sensibilität vor-gehenden Forschers (Curtius forderteine höchst differenzierteAufnahmebereitschaft, die auf das Bedeutsame ,anspricht'" 24 ),sondern auch die unerläßliche institutionelle Basis eines umfas-senden Literaturreservoirs. In richtiger Einschätzung dieser Situa-tion bemerkte daher der Kunsthistoriker Sir E.H. Gombrich, daßunter Forschungsgesichtspunkten die Aufteilung der Geisteswis-senschaften in Disziplinen irrelevant werde und daher zu an-nullieren sei. Die Praxis beweise dies: "The alert reader of any textmust inevitably ask questions which will take him into linguisticstoday, into history tomorrow and probably into social studies nextweek." 25

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Der tentative Charakter der wissenschaftlichen Erkenntnis in ihrerEntstehungsphase legt es nahe, in der Bibliothek über den ,Speicher'und über die ,Werkstatt' hinaus in einem speziellen Sinne auch einInstrument zur Beförderung der wissenschaftlichen Erkenntnis zusehen. Es gehört zum Klärungsprozeß in der Erkenntnisbildung,daß sich der Forscher in der Literatur ,umsieht'. Das heißt: er machteinen unsystematischen Gebrauch von der Literatur seines eigenenFachgebiets und in der Regel auch anderer Fachgebiete, umdadurch sein eigenes Denken zu stimulieren.

Im anglo-amerikanischen Bereich ist dieses Verfahren als "brow-sing" geläufig, und in dem Begriff "serendipity" besitzt die eng-lische Sprache auch einen Ausdruck für die Fähigkeit zum glück-lichen Zufallsfund. 26 Der Wert des Verfahrens wird häufig be-stritten. Besonders Theoretiker der Literaturversorgung sind derAuffassung, daß es sich um eine dem Forschungsniveau unan-gemessene Tätigkeit handele. 27 Dabei wird verkannt, daß dieseexploratorische Literaturbenutzung nicht an die Stelle systema-tischer Lektüre tritt, sondern sie ergänzt. 28 In ihr kommt diesuggestive Kraft, die eine große Bibliothek für den Forscher hat, zur

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