19
sich wahrscheinlich über die Literaturversorgung hinaus auch aufandere Gebiete erstrecken.
Für die Geisteswissenschaften ist das Buch Quelle und Gegenstandder Forschung, aber auch ein Medium der wissenschaftlichenKommunikation, dessen Eigenart und Leistung sich gerade aus derPerspektive der elektronischen Literaturspeicherung zu erkennengibt (Kapitel V). Die wissenschaftliche Literatur befindet sich ineiner Krise, die durch einen Literaturüberfluß auf der einen undeinen Mangel an Publikationsmöglichkeiten auf der anderen Seitegekennzeichnet ist (Kapitel VI, 1). Dennoch wird das Gesetz desexponentiellen Literaturwachstums, das die Bibliotheken vor großeProbleme stellt, voraussichtlich weiter gültig bleiben (Kapitel VI, 2).
Aus der nationalen Publikationstradition, die mit dem Veröffent-lichungszwang für Dissertationen der wissenschaftlichen Anfän-gerleistung eine Sonderstellung einräumt, ergeben sich für denwissenschaftlichen Buchmarkt in der Bundesrepublik spezifischeProbleme (Kapitel VI, 3). Aus Eigenheiten dieser Tradition erklärtsich auch das Dilemma der Verlage zwischen Subvention undschrumpfendem Markt (Kapitel VI, 4).
Auch in Zukunft wird das Buch für die geisteswissenschaftlicheForschung unentbehrlich sein (Kapitel VII, 1). Das Problem bestehtnicht darin, wie das Buch durch ,moderne' Publikationsweisenabgelöst, sondern wie es als zentrales Kommunikationsmediumerhalten werden kann. Angesichts des Literaturüberschusses scheinteine hierarchische Neugliederung der Publikationsformen uner-läßlich (Kapitel VII, 2). Eine weitere Voraussetzung für die Er-haltung des Buches ist die Anwendung neuer Techniken für dieHerstellung wissenschaftlicher Veröffentlichungen (Kapitel VII, 3).Die bereits eingeführten oder für die nahe Zukunft absehbarenVeränderungen in der Literaturproduktion werden zu einer Neu-gliederung des Publikationsprozesses führen (Kapitel VII, 4). DieVerantwortlichkeiten, die dem wissenschaftlichen Autor und der ihntragenden wissenschaftlichen Institution im Verlaufe dieses Pro-zesses zuwachsen, werden voraussichtlich auch Rückwirkungen aufden Funktionsbereich der Bibliothek haben.
mWm
m