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<2> (1922)
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A. Schulte, Adel und deutsche Kirche im Mittelalter.

Hochadel weit mächtiger. Es gibt kein Land der Welt, wosich die allermeisten Bewohner sagen müssen, dass ihr Glaubens-bekenntnis nicht auf dem freien Entschlüsse eines Vorfahrenberuht, sondern auf der Willensrichtung eines hochadligenHerren.

Der Hochadel hat die innerliche Staatseinheit zersprengtund in unserem Vaterlande die Teilung der Souveränitäts-rechte herbeigeführt, unter der wir noch heute leben. Ichhabe diese Entwicklung in meiner Rede:Fürstentum undEinheitstaat in der deutschen Geschichte" auseinandergesetzt,dessen Inhalt ich hier nicht wiederholen darf 1 ). Es gibt inder Geschichte keinen Adelsstand, der so lange seine Gewaltbehauptet hätte, als der deutsche Hochadel; Sparta und Romsahen früher die Macht ihres Adels zergehen, in Deutschlandhielt er sich, weil er erfolgreich die Einheit aufgelockert unddem Leben der Einzellandschaften eine Seele gegeben hatte.

Es ist keine Spielerei, diesen ständischen Untersuchungenin der deutschen Kirchen- und Staatsgeschichte nachzugehen,sie führen uns wesentliche Kräfte vor und zeigen die Ent-wicklung in der deutschen Kirche und im deutschen Staatein anderem und schärferem Lichte. Führende Männer in derkirchlichen Verfassungsgeschichte, wie Stutz und Werminghoff,tragen dieser Betrachtungsweise volle Rechnung, auch ausden Kreisen der weltlichen Verfassungshistoriker habe ichmanche Zustimmung erhalten, keine aber hat mich mehr er-freut, als die des nun verstorbenen Otto von Gierke, derfreilich an manchen seiner geistvollen Gedankengänge dabeifesthält 2 ).

') Berlin, Liebmann 1921 s. oben S. 16, Anm. 1.") Zeitschrift der Savigny- Stiftung für Rechtsgeschichte 1921, Ger-manistische Abteilung S. 484491.