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Willigis von Mainz : ein Beitrag zur Geschichte des Deutschen Reichs und der deutschen Kirche in der sächsischen Kaiserzeit
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Papst hinsichtlich der Wirkung ihrer persönlichen Interventionin dem Hader der beiden Bischöfe sich verrechnet hatten. WederWilligis selbst, noch alle seine Suffragane erkannten die über ihnverhängte Suspension an. Selbst die beiden an dem Streite ganzunbeteiligten rheinischen Erzbischöfe handelten so, als wäre ernicht suspendirt und als wäre die ganze Sache noch nicht durchdie Kurie und den Kaiser entschieden. Auch sie waren wie jeneSuffragane des Willigis entschlossen, auf einer deutschen Synodedurch deutsche Bischöfe sie zum Austrag zu bringen; der päpst-lichen Synode, die für Weihnachten angesetzt war, wurde, wiees scheint, mit keinem Worte gedacht. Der Versuch, denWilligis mit Hilfe von Kaiser und Papst aus den Sattel zu heben,war also dem klugen Hildesheimer Bischof vor der Hand nichtgeglückt. Nicht das Ansehen des Willigis, sondern das Ansehender Kurie und der Krone, das er gegen ihn ausgespielt hatte 1 ,war jetzt tief erschüttert. Immerhin, wenn überhaupt, so konnteer nur mit Hilfe seiner fernen Gönner zum Ziele gelangen. Alleskam darauf an, dafs er von neuem mit ihnen in Verbindung trat,ehe etwa ein Bischof oder Gesandter der Frankfurter Mittelparteiam kaiserlichen Hofe sich einstellte. Darum beabsichtigte erzuerst selbst ein zweites Mal über Berg 2 zu fahren. Aberschliefslich sandte er an seiner Statt den Dekan Thangmar. Warumer zurückblieb, wird uns nicht berichtet. Möglich, dafs diewachsende allgemeine Gärung gegen das Regiment Ottos III.ihn zurückhielt. Nach Thietmar bildeten nämlich die deutschenHerzöge und Grafen — nicht ohne Mitwissen der Bischöfe —eine förmliche Verschwörung gegen den Kaiser, für die sie umsonst den jungen Bayernherzog zu gewinnen suchten 3 . Den Be-weggrund und die Pläne der Verschworenen giebt er nicht an.Aber man darf wohl vermuten, dafs die Verurteilung desWilligis durch die Kurie und den Kaiser nicht die Hauptursachewar. Es läfst sich überhaupt nicht ermitteln, ob und inwieweitdieser an dem Anschlage beteiligt war. So schroff er der Kuriedie Obedienz verweigerte, so fiel ihm doch nicht bei, dem Kaisergeradezu den Gehorsam aufzusagen. Zwar stellte er sichnicht persönlich, wie ihm befohlen war, vor Otto und Silvesterzur Verantwortung. Aber er gehörte doch zu den wenigendeutschen Bischöfen, die ihre Reisigen, dem kaiserlichen Befehlegemäfs, nach Italien schickten 4 . Gleichzeitig mit dem Wormser, 6

1 Dieser Bedeutung der Frankfurter Synode wird weder Griesebrecht.noch Hauok S. 272 gerecht.

2 V. Bern. cap. 34, S. 773.

3 Thiet. IV, 49 (30).

4 Nur Notker von Lüttich Thangm. cap. 36, S. 774. Heinrich vonWürzburg, Heribert von Cöln, Lambert von Constanz, Burchard vonWorms folgten persönlich dem kaiserlichen Befehle. Giesebrecht I, 757.

8 V. Burch. cap. 8, S. S. IV, 1, 836.