Erstes Kapitel.
Geschichte des Willigis bis zu seiner Erhebung aufden Mainzer Erzstuhl.
Bis ins 18. Jahrhundert wufsten die Geschichtschreiber überWilligis' 1 Herkunft und Jugendzeit mancherlei zu berichten. ZuSchöningen 2 im Braunschweigischen habe er das Licht der Welterblickt. Dort sei sein Vater ein Fuhrmann oder, wie anderebehaupteten, ein Wagner 3 gewesen. In Hildesheim habe er
1 Über die verschiedenen Formen des Namens cf. Euler S. 1 Anna. 1.
2 So nach dem epitaphium Willigisi Will. R. XVII, 173. S. 143 unddem Rodel einer Schöningen benachbarten Kirche, das noch der Schö-ninger Rektor Johann Heinrich Mader, ein Zeitgenosse des Leibniz, ein-gesehen hat. Cf. Leibniz, Annales imperii III, 350. Aber weder überdas gegenseitige Verhältnis, noch über die Glaubwürdigkeit dieser beidenQuellen vermag man zu einem bestimmten Urteile zu gelangen. Maderhat nicht untersucht, aus welcher Zeit der Rodel stammt, und obnicht etwa jene Notiz über Willigis ein Zusatz von späterer Hand ist.Das epitaphium aber ist, wie schon Leibniz a. a. 0. III, 349 erkannthat, ein Erzeugnis des späteren Mittelalters. Guerrier setzt S. 13 seineEntstehung ins 14. oder 15. Jahrhundert. Ob es auf guten, älteren d. i.schriftlichen Nachrichten beruht, oder nur kurz die noch kursierendemündliche Tradition zusammenfafst, läfst sich gegenwärtig nicht mehrentscheiden.
3 Auf diese Doppelheit der Überlieferung hat schon Leibniz a. a. 0.III, 349, 3S0 hingewiesen. Die erstere Version findet sich in dem chroni-con des Alberich von Trois Fontaines, des ersten Schriftstellers, der überdas Gewerbe des Vaters etwas berichtet. S. S. XXIII, 778, 2, die letz-tere zuerst in der aus Thüringen stammenden chronica Minor (S. S. XXIV,172 ff.), damit erstmalig verbunden die bekannte Erzählung von der Ent-stehung des Rades im Mainzer Wappen. In dieser Gestalt hat die Sage,wie sich an den auf der chronica fufsenden Berichten des Siegfried vonBalnhausen, der flores temporum, des Martinus Minorita und einerjüngeren thüring. Chronik darthun läfst, cf. Guerrier a. a. 0., im 14.,15. und 16. Jahrhundert zunehmende Verbreitung und Ausschmückungerlangt. Dafs es sich um eine Sage handelt, hat schon Leibniz erkanntund bewiesen. Seitdem hat nur ein Rezensent Guerriers in histor. Zeit-schrift XXIII, S. 214 der Erzählung eine geschichtliche Grundlage zu
L. Studien a. d. Geb. d. Geschichte. I. 3. — Böhmer. 1
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