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4 Willigis unter Otto III.
A. 995—1000. Von dem Rücktritt der Kaiserin Adelheid biszum Gandersheinier Streit.
Als zu Beginn des Jahres 995 Theophanus frühreifer, reich-begabter Sohn, „durch jugendliche Ratgeber angestachelt", dieGrofsmutter von seinem Hofe verwies und dadurch deutlich genugdie Absicht kundgab, von nun an selbständig zu regieren, warer ein Knabe von noch nicht fünfzehn Jahren. Von seiner Um-gebung frühe verwöhnt 1 , selbst von der eigenen Mutter verzogen 2 ,war er zu einem sehr eigenwilligen und herrischen Jünglingherangewachsen 8 . Aber so heftig auch sein hohes Selbstgefühlsich gegen jedwede Bevormundung aufbäumen mochte, die beidenRatgeber der Mutter und Grofsmutter waren ihm an Alter undEinsicht zu sehr überlegen, und zugleich war er persönlich ihnenzu sehr verpflichtet, als dafs er sie sofort gänzlich hätte bei Seiteschieben können. Des Kanzlers Hildibald Stellung wurde durchden Rücktritt Adelheids offenbar gar nicht erschüttert 4 . WasWilligis anlangt, so überrascht es allerdings, dafs sein Namegleichzeitig mit dem der alten Kaiserin aus den Urkunden ver-schwindet. Es ist nicht unmöglich, dafs er gleichzeitig mit ihrauf einige Zeit vom Hofe hat weichen müssen. Allein schon imJuli taucht er wieder in des Königs Umgebung auf 5 . Sein Ratund seine Fürsprache sind, wenn man aus den Interventionen einenSchlul's ziehen darf, beinahe wieder von der alten Bedeutung 6 . Wenner also wirklich zu Beginn des Jahres 995 das Los der altenKaiserin teilen mufste, so hat doch wenige Monate später eineVersöhnung mit dem König stattgefunden , die ihm wenigstenszum Teil sein altes Ansehen wiedergab. Nach und nach freilichgewann eine Anzahl bisher wenig bekannter Personen auf OttoEinflufs. Vor allem trat die Äbtissin Mathilde von Quedlinburg 7jetzt in den Vordergrund. Neben ihr Ottos Schwester Adel-heid 8 und der Bischof Aiko von Meifsen 9 , der sich vermutlich
1 V. Bern. cap. 2. S. S. IV, 759. Et cum alii regi puero adulandoobsequerentur adeo, ut ludicra et quae tenera aetas poscebet, illi persua-derent etc.
2 Ebenda (et cum) imperatrix etiam verita affectum filii sibi prae-ripi in eiusmodi favore in tantum emollita esset, ut ad omnia, quae pueri-lis aetas illum impelleret, ipso gratissimo atfectu consentiret etc.
3 Thiet. IV, 15 (10). Die oft zitierte Stelle.
* cf. die D. D. Er interveniert D. 163, 164, 168, 169, 171, 176 etc.
5 cf. das Itinerar Beilage 1.
8 cf. D. D. 0. III. 169, 176. D. 180.
7 D. D. O. III. 175, D. 176, 178, 179.
8 D. D. O. III. 175 u. 177. Neben ihr wird vorher schon gelegent-lich Ottos Schwester Sophie von Gandersheim genannt. D. O. III. 148,161, 179. 185.
9 D. O. III. 174, 183, 186.