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Willigis von Mainz : ein Beitrag zur Geschichte des Deutschen Reichs und der deutschen Kirche in der sächsischen Kaiserzeit
Entstehung
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Epilog.

Aus allem, was wir bisher von Willigis berichteten, ergiebtsich ein typisches Bild nicht nur von dem Lebensgang undWirken, sondern auch von den persönlichen Interessen und An-schauungen eines Reichsbischofs der sächsischen Kaiserzeit.Selbst die religiösen Vorstellungen, in denen er lebte, die sitt-lichen Begriffe, nach denen er handelte, die Auffassung von denPflichten des bischöflichen Amtes, die ihn beseelte, die politischenIdeen, von denen er sich bei seiner Thätigkeit im Dienste desReiches leiten liefs, waren allem Anschein nach nicht etwas ihmbesonders Eigentümliches, sondern Anschauungen des Standes,des Volkes und des Zeitalters, dem er angehörte. Nicht einebesonders eigenartige, sondern ein besonders hohes Mafs eineroft anzutreffenden Begabung, ein besonders kräftig entwickeltesGeschick zu den Geschäften der Staatsleitung und zu denKünsten der Verhandlung, gepaart mit einer besonders starkenEnergie und Zähigkeit in der Verfolgung allgemein anerkannterZiele war es, das ihn auf den Stuhl des heiligen Bonifaz geführtund 36 Jahre hindurch von diesem aus mit Glück im Reich, inder Kirche und in seiner Herrschaft hat wirken lassen.

Es ist also schwerlich nur Schuld der mangelhaften Über-lieferung, dafs uns so wenig individuelle Züge von seinem Wesenund Wirken bekannt sind. Würde heute durch einen glück-lichen Zufall noch eine ausführliche vita Willigisi entdeckt, sowürde zwar unser Wissen durch manche bedeutungsvolle Einzel-heit über seinen Lebens- und Bildungsgang bereichert werden,aber das von seiner Persönlichkeit selbst gewonnene Bild sichnur unwesentlich verschieben: Das Zeitalter war der Ausbildungausgeprägter Individualitäten nicht günstig. Auch ging dieWiedergabe des wirklichen persönlichen Lebens in allen Nuancenseiner konkreten Eigentümlichkeit über das Vermögen und dieschriftstellerische Absicht der schreibenden Mönche und Nonnen:sie wollten keine Menschen von Fleisch und Blut schildern, son-