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Willigis von Mainz : ein Beitrag zur Geschichte des Deutschen Reichs und der deutschen Kirche in der sächsischen Kaiserzeit
Entstehung
Seite
104
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I 3.

Würzburger und Fuldaer brach das Mainzische Kontingent zurHeerfahrt auf. Hätte er an Empörung gedacht, so hätte erkaum gerade jetzt einen so ansehnlichen Teil seiner bewaffnetenMannschaft ziehen lassen. Sein persönliches Ausbleiben motivierteer vermutlich irgendwie, so dafs dem Kaiser gegenüber dieLoalyität äufserlich vollkommen gewahrt blieb.

Die Nachricht von den Ereignissen in Deutschland machteauf Otto und Silvester doch einigen Eindruck. Weihnachtenrückte heran, aber nur einer der geladenen deutschen Bischöfe— Notker von Lüttich — erschien ' Als der Papst am 27. De-zember 1001 zu Todi in der Mark Spoleto 2 das angesetzte Konzileröffnete, waren unter den anwesenden dreifsig Bischöfen nurdrei Deutsche: Notker von Lüttich, Siegfried von Augsburg undHugo von Zeitz, von denen die beiden letzteren schon seitlängerer Zeit zum ständigen Gefolge des Kaisers gehörten 3 . DieHoffnung Gerberts und Ottos, Willigis in einer grofsen Versamm-lung deutscher Bischöfe zu demütigen, war also gänzlich vereitelt.Der Eindruck, den dieser Mifserfolg hervorrief, prägte sich inden folgenden Verhandlungen aus. Thangmar ersuchte im NamenBernwards die versammelten Bischöfe, die Beschlüsse der Frank-furter Synode zu verdammen. Allein so klar vom StandpunktePseudo-Isidors aus die Frankfurter Versammlung für unkanonischund unrechtmäfsig gelten mufste, so lebhaft auch Silvester ILund der Kardinallegat Friedrich Bernwards Treue und Ergeben-heit anerkannten, und so scharfen Tadel auch von allen Seitendas Vorgehen des W T illigis erfuhr, man zögerte doch, dem Verlangender Hildesheimer Sendboten zu willfahren. Vermutlich war mandurch die Kunde von der Teilnahme Heriberts von Köln an denFrankfurter Verhandlungen stutzig geworden. Da man seineAnkunft demnächst erwartete, so einigte man sich für jetzt, dieBeschlufsfassung zu vertagen. Aber der 6. Januar, der angesetzteTermin verstrich, ohne dafs der Erwartete eintraf. Dreimal warddaher ein neuer Termin angesagt; jedoch immer harrte man ver-geblich. Thangmar, der wahrscheinlich gehofft hatte noch vorder Ankunft eines der Frankfurter Vermittler zum Ziele zu ge-langen, gab seine Sache verloren. Noch vor Heriberts Ankunftverabschiedete er sich am 11. Januar 1002 von dem kaiserlichenHofe, dem es inmitten einer aufständischen Bevölkerung bereitsan den nötigsten Lebensmitteln zu gebrechen begann. Nun langtezwar wenige Tage später der lang ersehnte Kölner Erzbischof mitgrofsem Gefolge an 4 . Aber an eine Wiederaufnahme der Kon-zilsverhandlungen war nicht zu denken. Andere Sorgen be-

1 V. Bern. cp. 36, S. 774 Notker ist erst um diese Zeit am Hofenachweisbar. Folglich hat er sich erst damals zu Otto begeben.

2 V. Bern. cp. 36, S. 774.

3 Sie befanden sich nach v. Bern. cap. 22, S. 768 schon Weihnachten1001 am Hofe.

* Thiet. IV, 48 (90).