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Willigis von Mainz : ein Beitrag zur Geschichte des Deutschen Reichs und der deutschen Kirche in der sächsischen Kaiserzeit
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I 3.

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von Magdeburg der Prozefs eröffnet worden war, und ersuchteihn ernstlich, für ihre Durchführung zu sorgen. Allein es hatteanscheinend bei diesem einen Versuche sein Bewenden. DerVikariat blieb, was er war, ein blofser Ehrenvorrang vor denübrigen Erzbischöfen der deutschen Kirche.

Persönlich stand Willigis mit den Päpsten, wie es scheint,meist auf gutem Fufse. So wenig wie ein anderer Bischof der Zeitbezweifelte oder bestritt er offenbar die Sätze Pseudoisidors. DenWiderstand, den die deutsche Kirche wegen des Rechtsbruchsim Reiinser Kircheustreite gegen Gerbert eröffnete, half er alsihr angesehenster Führer und als Berater des jungen Otto III.mit organisieren *. Dafür zeigte sich Johann XV. wiederumgefällig, als er die Rückkehr Adalberts nach Prag forderte. MitGregor V. bestieg ein Angehöriger der königlichen Kapelle denpäpstlichen Stuhl, der unter seinen Augen grofs geworden, von ihmselbst mit gewählt und feierlich in Rom eingeführt worden war.Das gute Verhältnis, das naturgemäfs unter diesem Papste fort-bestand, trübte sich erst unter Silvester II. infolge des Ganders-heimer Streites. Indem Silvester II. hierbei rein nach den Be-stimmungen des Pseudoisidor verfuhr, kam es zwischen ihm undWilligis zu einem völligen Bruche. Weder er selber, noch diedeutsche Kirche, noch der neue deutsche König, Heinrich II.,fügte sich dem Spruche der Kurie, und diese selbst wagte an-scheinend nicht, auf der Suspension des ersten aller Priester desReiches zu bestehen, sondern erkannte dieselbe stillschweigendals aufgehoben an. Allein selbst damals war von einemprincipiellen Widerspruche gegen das Papstum und Pseudoisidornicht die Rede, wie etwa auf der Synode von St. Bäle. Genauso wie später Erzbischof Aribo 2 , war auch Willigis allem An-scheine nach in seinen Anschauungen, wie in seinem Empfindenstreng katholisch, d. i. pseudoisidorisch. Das Urteil Thangmars,wonach der apostolicus immer dem imperator vorangeht 3 ,entsprach vermutlich im Grunde auch seiner Überzeugung: zumächtig wirkte die Konsequenz und der grofsartige Idealismusder katholisch kirchlichen Weltanschauung auf das Denken undFühlen aller tieferen Naturen jener Zeit; zu stark war auch nochdie dogmatische Befangenheit, als dafs auch nur die Idee einerNationalkirche in einem Willigis oder Aribo hätte auftauchenkönnen.

1 Cf. oben eap. II, 3, D.

2 In dieser Frage sind entschieden die katholischen Beurteiler Aribosgegenüber den protestantischen im Rechte.

3 Es ist offenbar nicht zufällig, dafs er in der Vita Bemwardi denapostolicus immer vor dem imperator nennt. V. Bernw. S. S. IV S. 768Z. 26, 770 Z. 44, 771 Z. 28 Z. 30, 772 Z. 23, 774 Z. 6 und öfter.

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