weisen. Man muß sich dieser floskelhaft und schematisch denken-den und arbeitenden Illustrationskunst voll bewußt werden, um dengewaltigen Unterschied zu empfinden und den Fortschritt zu würdi-gen, der die Illustrationen des Lyoner Druckes von den nur umeine Generation späteren Zeichnungen unserer Handschrift trennt.Dort Mittelalter—hier Renaissance. Dort Schematismus und tradi-tionelle Gebundenheit undeine Ausdrucksform, wel-che nach der ergänzendenFarbe geradezu verlangt,hier ein auf intensiver Na-turbeobachtung gegründe-ter, von der Farbe völlig ge-löster, linearer, aber durchdie Skizzenhaftigkeit derZeichnung gelockerterStil,von einer Ungebunden-heit, wie sie aus den Krei-sen Albrecht Altdorfersuns bekannt ist. DerKünstler unserer Bilder er-hebt sich in seiner Illu-strationstechnik zu einemindividualisierenden Stil.4 Er weiß nicht nur die ein-
zelnen Persönlichkeiten streng zu scheiden und in ihren charak-teristischen Merkmalen durch die ganze Bilderserie festzuhalten,sondern auch jedes Einzelbild genau für eine ganz fest bestimmte,durch den Text gegebene Situation auszugestalten. Er begnügtsich nicht, wie der Künstler der französischen Holzschnitte,damit, schlechtweg eine Unterredung zwischen einem Mann undeiner Frau zu zeichnen (s. 4), die in ihrer schematischen Ausdrucks-form bald als Unterredung zwischen Peter und MagelonesAmme, bald als Peters Vater und Mutter in der Kirche zuMaguelonne zu dienen bestimmt ist, oder (s. I) zwei Ritter in einerschematisch behandelten Landschaft im Speerstechen begriffendarzustellen und es dabei unserer Phantasie zu überlassen, unseinmal darunter ein Turnier am Hofe von Provence, das andereMal ein solches am Hofe von Neapel vorzustellen, oder uns
HS