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Kindern, über die Heiligkeit gegebener Versprechen, wie sie derVerfasser in seinem Werke zutage treten läßt, sind freilich nichtimmer so ganz und gar den herrschenden kirchlichen Dogmenseiner Zeit entsprechend formuliert, aber er bat bierin eben mitden Schwierigkeiten zu kämpfen, die gegebene, in einem ganzanders gearteten moralischen Ideenkreis entstandene Fabel denchristlichen Anschauungen anzupassen und einzufügen; und daßdabei die Rechnung zuweilen nicht glatt aufgeht, ist am Endenicht seine Schuld, Im ganzen genommen hat er die über-nommene Aufgabe nicht ohne Geschick gelöst, indem er sein ausdem leichten Holz einer naiven Frömmigkeit gezimmertes Schiff-lein mit Bedacht über die gefährlichsten Klippen, die ihm diekirchlichen Dogmen in den Weg stellen konnten, hinweggleitenläßt und es darüber hinweggleiten lassen kann, weil er es nichtmit dem schweren Gepäck einer allzu ernsten und strengenMoralität belastet, so daß sein Kiel die gefahrvollen Gründe derkirchlichen Dogmatik teils gar nicht erreicht, teils nur so ebenund ohne ernstliche Kollisionsgefahr streift.Die Tatsache, daß der Verfasser den Stoff zu seiner Legendedem genannten orientalischen Märchenwerke entnahm, be-grenzt die Entstehung seines Werkes nach unten. Nach derallgemeinen Ansicht der Kenner orientalischer Literatur ist dieSammlung „Tausendundeine Nacht" nicht vor der Wende desJ4. und J5. Jahrhunderts in Westeuropa bekannt geworden, sodaß also die Abfassungszeit der schönen Magelone in ihreritalienischen Urform frühestens in die ersten Jahrzehnte des15. Jahrhunderts datiert werden kann.
Die Bilder und ihr Künstler
Nicht minder wertvoll als der Text unserer Handschrift für dieLiteraturgeschichte sind für die Kunstgeschichte ihre Bilder,die ihr einen hervorragenden Platz in der Geschichte der Buch-illustration sichern. Nach dem allgemeinen Urteil der berufen-sten und erfahrensten Kenner hat Max Loßnitzer in der Donau-schule ganz richtig den Kreis bestimmt, in dem der Zeichnerseine künstlerische Ausbildung und Ideenrichtung erhalten habenmuß. Die stimmungsvolle Behandlung der landschaftlichenHintergründe, die eindringliche Art der szenischen Komposition,
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