Druckschrift 
Die schöne Magelone : Hystoria von dem edeln Ritter Peter von Provenz und der schönsten Magelona, des Königs von Naples Tochter ; älteste deutsche Bearbeitung nach der Handschrift der Preussischen Staatsbibliothek Germ. 4 ̊1579
Entstehung
Seite
136
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von Cerise zu von der Weichsel hatten nehmen müssen, so um-ständlich und ungewöhnlich, daß man nicht recht an seine Gang-barkeit glauben kann. Ganz anders liegt die Sache aber beider Annahme einer italienischen Vorlage. Italienisch heißt diekurzstielige Sauer- oder Weichselkirsche visciola, während derWeichselfluß vistola, viscola und viscla in dieser Sprache be-nannt wird. Ich glaube, es genügt, diese Parallelen aufgezeigtzu haben, um es sofort wahrscheinlich, ja sicher zu machen, daßunser deutscher Bearbeiter eine italienische Vorlage vor Augenhatte, in welcher der Graf von der Provence mit dem NamenGiovanni Visciola benannt war, und daß von dieser italienischenNamensform aus unsere deutsche Bearbeitung zu ihrem Grafen vonProvenz mit dem sonderbaren Namen Hans von der Weichselgekommen ist. Ich glaube zuversichtlich annehmen zu dürfen,daß man angesichts der angeführten Beweise an der Tatsache,daß der Bearbeiter einer italienischen Vorlage gefolgt ist, nichtzweifeln wird. Damit ist aber natürlich noch nicht bewiesen, daßdiese italienische Vorlage nun auch die Urform der Novelleüberhaupt gewesen sei, denn selbstverständlich könnte sie ja ihrer-seits selbst eine Übersetzung aus dem Französischen gewesen seinund somit nur eine Mittlerrolle zwischen diesem französischenOriginal und unserer deutschen Bearbeitung beanspruchen dürfen.Die Behauptung, daß eine italienische Fassung der Novelle ihreUrform gewesen sei, bedarf also noch anderer Beweise. Wirmüssen, um diesen Nachweis führen zu können, zunächst ein-mal die französische Überlieferung, ihre beiden Rezensionen undderen Verhältnis zueinander näher betrachten. Die französischehistoire du vaillant chevaliere Pierre de Provence et de la belleMaguelonne ist uns in zwei Rezensionen überliefert, die AdolpheBiedermann in seiner Ausgabe von 19 J 8 mit den Siglen B und Cbezeichnet. Die Rezension B ist uns in einer Reihe von Hand-schriften und einem Druck, der Ausgabe Lyon: B. Buyer 1480, er-halten. Sowohl alle handschriftlichen Vertreter dieser Rezension(Paris fr. 1501. 1502. nouv. acq. 19167 u. Arsenal fr. 3354) als auchder genannte Druck von Lyon sind ohne Bildschmuck. Von derRezension C ist nur eine Handschrift bisher bekannt geworden,nämlich der Coburgensis S. IV 2, während es eine ganze Reihevon Ausgaben des 15. Jahrh. davon gibt. Die Ausgaben sindsämtlich illustriert, der Coburgensis dagegen hat keine Bilder.

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