die Durchdringung und Mischung des nordbayerischen Dialektsmit einer starken Dosis von ostfränkisch-mitteldeutschen Ele-menten, und gerade von dieser Mischung ist die Sprache unsererHandschrift ein ausgezeichnetes Beispiel. Es ist hier nicht derOrt, auf Einzelheiten in dieser Beziehung einzugehen; der Leser,der sich dafür interessiert, wird in den Anmerkungen einigeshierauf Bezügliche hervorgehoben finden.
Was nun aber die zeitliche Differenz zwischen dem Abschreiberund dem Bearbeitet betrifft, so erscheint mir diese allerdingsnicht unerheblich zu sein. Sicherlich hat wohl auch das alter-tümliche Zeitkolorit der Sprache unseres Textes unter der Handdes Abschreibers, deren ändernde und zum Teil schlimmbesserndeEinwirkung wir ja schon an verschiedenen Stellen kennengelernthaben, etwas gelitten, aber auch so, wie der Text uns nun vor-liegt, erweckt er noch immer einen viel altertümlicheren Eindruckals andere nürnbergische Texte aus der Zeit um 1525, derunsere Handschrift angehört, wie z. B. Dürers Unterweisung derMessung mit Richtscheid und Zirkel. Ich trage nicht das geringsteBedenken, die Entstehung unserer Bearbeitung etwa in die Zeitum J470 zu rücken, d. h. in die zeitliche Nachbarschaft derArigoschen Übersetzung des Decamerone und der fiore di virtü,und von Albrecht von Eybs Übersetzung der Novelle von Guis-cardo und Sigismonda. Die Parallele unserer Novelle von derschönen Magelone mit den hier genannten Werken erstrecktsich aber nicht nur auf das Stoffliche, sondern sie greift auch aufdas sprachliche Gebiet hinüber. Das überraschendste Resultat,das sich mir bei dem eingehenderen Studium unseres Textesaufdrängte, ist nämlich der mit völliger Sicherheit zu führendeNachweis, daß unsere nürnbergische Bearbeitung der Novellenicht wie die spätere Veit Warbecksche Übersetzung nach einerfranzösischen Vorlage gearbeitet ist, sondern nach einer italieni-schen, und weiter, daß eine italienische, nicht eine französischeFassung, wie man bisher annahm, überhaupt die Grundformder Novelle gewesen ist. Diesem Nachweis wird der folgendeExkurs gewidmet werden. Die Persönlichkeit des nürnbergischenBearbeiters festzustellen, wage ich vorderhand nicht. Wer ihn zuermitteln unternimmt, wird aber mit der Tatsache zu rechnenhaben, daß er ihn nur in den Kreisen suchen kann, denen eineintime Kenntnis der italienischen Sprache zuzutrauen ist. Wohl
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