103senheit in den Religionswarheiten entspringen muß.Denn, man muß hier der Kirche blindlingsglauben. Der Trieb, selbst die Warheit zu er-forschen wird also nicht allein erstickt, sondernwird für was sündliches, unerlaubtes gehalten.Diese obbemeldten Folgen fliessen nun ganz noth-wendig aus dem ersten Satz.Ganz anders sind aber diejenigen beschaffen, wel-che aus dem zweiten herfliessen. So bald nemlich einMensch von der Warh i dieses zweiten Satzes über-zeuget ist, und das äussere der Religion nur alsMittel ansiehet um zur Erhaltung des eigentlichwesentlichen Nutzens zu gelangen, dann siehet erauch zu gleicher Zeit, daß das Fortschreiten indem wesentlichen Nutzen der Religion auf meh-rere Erkenntniß beruhe. An statt also die Men-schen anzuhalten einige vorgeschriebene Bewegun-gen, Feste oder Gebräuche mechanisch nachzuma-chen, suchet er bei seinem Nebenmenschen mehrAufklärung zu erzeugen, ihm mehrere überzeu-gende Gründe beizubringen um das sinnliche,ja sich selbst zu verläugnen, und sein Herz imGeist und in der Warheit zu seinen Schöpferempor zu schwingen. Und da Klugheit und Men-schenkenntniß ihn lehret, daß der Mensch destomehr Zutrauen zum anderen bekomme, je mehrer seinen physischen Nutzen auf eine gerechte Wei-se zu befodern sich bei jeder Gelegenheit befleißi-get, so läßt er keine derselben ungenutzt vorbei-ſtreichen. Dieſe Bemühungen machen ihn zumBefoderer des zeitlichen Glückes so wol als zumSeelenfreund seines Nebenmenschen und gebenihm unzälbare Gelegenheiten an seiner morali-schen Aufklärung und Vervolkommnung zu ar-beiten;
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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103
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