104beiten; mit einem Wort ihn zu einen besserenMenschen für diese und jene Welt nach und nachumzuschaffen. Und da dieser apostolisch gesinnteChrist, nie seinem orthodoxem Bekannten, dersich zu einer anderen Abtheilung der Religionbekennet, solches als etwas mangelhaftes vorwer-fen, sondern vielmehr ihn selbst in den Standzu setzen sich bemühen wird den Werth oderUnwerth der frembden so wol, als eigner Kir-chengesetze zu beurtheilen, so wird der apostolischgesinnte Christ auch nie dabei Gefahr laufen dieEigenliebe des Orthodoxen zu verletzen, nochMißtrauen gegen sich zu erregen; oder wol garauch nur den kränkenden Verdacht sich zuzuziehenals wenn er ihn schon deswegen des Himmelsunwürdig in seinem Herzen erklären müsse, weiler nicht den nemlichen von seiner Kirche gegebenenVorschriften folge. Der orthodoxe Christ kan hie-rüber nicht einmal mehr mit Vorurtheilen gegenden andern eingenommen seyn, da er weiß, daßderselbe nichts äusserliches für etwas wesentlichesim Gottesdienst hält; sondern nach dessen Mei-nung alles auf Sinnesänderung und Reinigungder Absichten beruhet. Diese auf gründliche Er-kenntniß beruhende Freiheit von allem äusseremgezwungenen, wird aber auch selbst diesem vondem unrechten Joch der Kirche sich freigemachtenChristen, nie bei seinem Nebenmenschen, der hie-rinIch verstehe hier der Gemächlichkeit und Kürze halberdurch einen orthodoxen Christen, einen solchen, derauf Kirchengesetze und Auslegungen steif hält und darin-nen einen verdienstlichen Werth setzet; im Gegensatz mitdem apostolischen freien Christen.
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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104
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