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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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107so blind wie ein Heide seyn, wenn man in sel-biger ein Aergerniß antreffen, oder wol garThorheiten darin zu entdecken glauben wolte.Aber ihre Verunstaltung ist groß. Dies ist nichtdie Schuld der Religion, sondern der eingebilde-ten Menschen, die es klüger machen wollen alsGot selbst. Seelig also derjenige, der einfäl-tigen reines Herzens ist, der die Warheit lau-ter annimmt, und von allem falschen Pump undFlittergold abzusondern verstehet.Zweiter AbschnittVon der Toleranz in Religion und ih-ren Gründen.§. 16. Durch Toleranz in Religion verstehe ichdiejenige Denkungsart und Handlungs-weise eines Menschen, durch welche er alle seineNebenmenschen, welche die Ruhe und Sicher-heit der bürgerlichen Geselschaft nicht siören,nicht allein neben sich duldet, sondern derselbenGlück, so viel an ihm ist, von allen Seiten zubefördern sich bemühet; wenn schon selbige vonder Art, wie das höchste Wesen verehret wer-den muß, ganz anders denken, als er.§. 17. Die Frage, ob man würkliche theo-retische Gottesverlängner in einem Staat duldensolle, gehet mich also eigentlich gar nicht an. Eskommt bei der Entscheidung dieser Frage, wiebekannt darauf an, ob man von einem theo-retischen Atheisten erwarten könne, daß er in je-der