Druckschrift 
Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
Seite
163
Einzelbild herunterladen
 

163äussere Form, um der Schwachheit der Men-schen zu Hülse zu kommen, und sie ihrem Glückenäher zu bringen, geben zu müssen, eingesehen.Dies gilt im Algemeinen. Im Besondern könntevielleicht mancher Lehrer, in seiner ihm anver-trauten Gemeinde bey manchem Menſchen dasunnütze ja mehrentheils schädliche Hangen ausäussere der Religion verhüten, wenn er dasgleichförmige im Gottesdienst öfters nach denUmständen klüglich abänderte. Daß sich diesesvielfältig thun lässet, und daß solches bey man-chem Menschen neuen Trieb erwecket, ist leichtaus Gründen zu erweisen, und der Erfahrungvolkommen gemäß. Nur freylich ist es leidergar zu wahr, daß unter den Geistlichen in allenReligionen, es solche Leute geben, denen es ander andern Seite an Einsicht und Klugheit, undnoch anderen an gutem Willen gar zu sehr feh-let, daß man ihnen die Einrichtung und Abän-derung hievon nach Willühr zu treffen überlassendürfte. Manche mögten vielleicht gar bald sichund alle ihre Gemeinsglieder von allem äusserli-chen Gottesdienst dispensiren, und auf solche Wei-se durch Einführung der Unwissenheit und Zügel-losigkeit das Uebel viel ärger machen. Aber im-mer bleibt es auch wahr, der Mißbrauch hebt nichtden Gebrauch. Wie daher dies einzurichten wäre,ist die Sache der Kirchenräthe. Jedoch auch die-sen wünsche ich, so wie allen Menschen stäte To-leranz, (*) und wahres Gefühl des eigentlichenEnd-() Der grosse Apostel Paulus der das Herz der Men-schen so sehr durchstudiret hatte, und die Fehler in welchedie