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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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157Eben so kan auch bey den Geistlichen eingröberer Eigennutz Jutoleranz hervorbringen,wenn sie gerne die Güter der auswärtigen Reli-gionsverwandten sich zuwenden wolten.Ein feinerer, aber desto schändlicherer Ei-gennutz ist es, wenn die Geistlichen zur Aufrecht-haltung ihres Systems, alles verdrängen, wasLicht verbreiten, mithin die Menschen zum ur-sprünglichen christlichen Gottesdienst, nemlich Gottim Geist und in der Warheit zu dienen ꝛc. näherbringen könnte. Dieses ist schon Intoleranz ausPolitick.Die eigentliche Intoleranz aus Politick iſtaber wol diese, wo ein oder mehrere Geistlichen,mittels der von ihnen zum Theil, oder ganz ab-hangenden Ceremonien, Einfluß in die politischeEinrichtungen der Staaten zu erhalten trachten.Natürlicher Weise stehen dergleichen Aussichtenallen Gebräuchen der anderen Religionsverwand-ten entgegen; mithin erfodert die Politick, dieKlugheit zu dem vorgesetzten Endzweck zu gelan-gen, diese Hindernisse entweder unthätig zu ma-chen, oder wol gänzlich aus dem Wege zu räu-men. Je mächtiger dergleichen Geistlichen nunsind, desto kräftigere und unterdrückendere Mittelkönnen und werden sie dazu gebrauchen. Und istihre Einrichtung einmal so, daß sie sich unter sichimmer mehr und mehr subordiniret sind, ohnevon dem weltlichen Regiment abzuhangen, unddiese Subordination sich zuletzt auf einzelne oderwenige Personen, die das Ganze regieren, be-schränket; so siehet ein jeder, daß natürlicherWeise