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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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156se, bey welchen jedem wahren Christen und Men-schenfreund das Blut in den Adern erstarret; wo-bei hingegen der stolze Geistliche sich ganze Kö-nigreiche zu Füssen leget, und sich freuet. Eswäre sehr überflüßig die Warheit dieser Sätze ausGeschichten beweisen zu wollen. Ich wende michderohalben von diesem kitzlichen Artickel zur letz-ten Quelle, dem Eigennutz.§. 32. Der Eigennutz bringt Intoleranz her-vor; entweder aus einer groben Begierde andererGüter an sich zu bringen; oder wenn man sichdie Herrschaft über andere Menschen erwerbenwill. Im ersten Fall ist es Intoleranz aus Geitz;im andern Intoleranz aus Politick; wobey zwarimmer auf derselben Einkommen die dem Planeangemessene Rücksicht genommen wird.Der Silberschmidt Demetrius erregte zuEphesus einen Tumult gegen den wohlthätigenLehrer den Paulus, und wolte ihn zum Todeverurtheilt wissen, weil er die Leute vom Dienstder vermeintlich grossen Diana von Ephesus ab-wendig machte. Seine Triebfedern waren aber, wiebekannt ist, blos allein sein Eigennutz. Wenn daherviele Künstler von Verfertigung dergleichen Sachen, sozum äussern Gottesdienst gehören, leben müssen,dann ist es ganz natürlich, daß selbige gegen an-dere Religionsverwandte, fürnemlich wenn letztereeinen simplificirtern und nicht so viel in äusserenHandlungen bestehenden Gottesdienst haben, into-lerant seyn, und selbige, als ihre Nahrungs-verderber wegzuschaffen sich bemühen müssen.Eben