155Gott als den algemeinen gütigen Vater, undalle Mitmenschen als Brüder zu erkennen unddem zufolge gegen sie zu handeln, daß sie viel-mehr von ihren sinnlichen Leidenschaften sich re-gieren lassen. Diejenigen Geistlichen, welche vomStolz sich treiben lassen, werden nun natürlicherWeise am ehesten und am färksten ihren Hangzur Intoleranz ausbrechen lassen, welcheErstlich, diejenige Religion lehren, welcherEinkleidung schon unmittelbar mehr zur Intole-ranz führet, (§. 30. 31.) oder2tens je grösser diese Einkleidung ihrer Re-ligion sie bey ihren Gemeinsgliedern macht, undihnen ein desto größres Gewicht bey letzterengiebt; oder wol gar das Glück der Gemeinsglie-der, ihre zeitliche Zufriedenheit, ja selbst die Be-stimmung der Bemühungen, welche sie anwendenmüssen um in den Himmel zu kommen, ihnenüberlässet. Nichts ist im Stand beym Geistlicheneher Stolz und Inteleranz hervorzubringen, alsdiese Idee. Und hat der stolze Geistliche endlichauch durch Schwäche derjenigen, so am Regie-rungsruder sitzen, Einfluß in die Betreibung derpolitischen Geschäfte erhalten, dann siehet mangar leicht wes Geistes Kind er seye. Kan er esnun so weit hiedurch bringen, daß er solchen inden Grundwarheiten der Religion ganz unwissen-den Regierern des Staats ſo viel Intoleranz ein-flösset, daß selbige letzterm Triebe, das Wohl desStaats und der einzelnen Perſonen aufopfern zumüssen sich verpflichtet halten, dann entstehendie Inquisitionsgerichte und prächtigsten Auto da
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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155
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