154ren, wie ich schon im vorigen Absatz gezeiget ha-be; oder er kan auch eine Urquelle derselben beymLayen, aber doch noch eher beym Geistlichen seyn.Es kan schon jeder Mensch in jeder Religion,wenn er einen merklichen Hang zum Stolz hat,und dabei bei der Schaale, der Hülle der Reli-gion mehrentheils stehen geblieben ist, gegen sei-nen eigenen Religionsverwandten intolerant wer-den, wenn er sich selbst heiliger und des Him-melreiches würdiger glaubt, als sein Nächster.Ist er hiezu gegen seinen Religionsverwandtenaber fähig, wie viel mehr wird seine Jutoleranzdann gegen Auswärtige steigen?So entstehet auch leicht eine Art Intoleranzbei Leuten, welche eine gewisse Grösse erhaltenhaben; die es dann für eine Beleidigung ihrerGröße ansehen, wenn andere Menschen nicht dasnemliche glauben, oder die nemliche äusserlicheCeremonien mitmachen, als sie. Der bis zurNarrheit stolze König Nebucaduezar ließ, hiedurchgetrieben, den barbarischen Befehl ausgehen, daßwer in seinen Landen nicht für das auf seinen Be-fehl verfertigte Bild niederfallen und selbiges an-beten würde, in einen glühenden Ofen geworfenwerden solte. — Am allermehresten zeigt sich aberdiese Quelle der Intoleranz bey den Geistlichen.Es ist nemlich nicht zu leugnen, daß unter je-dem Volk und jedem Stande gute und böse an-getroffen werden: mithin ist kein Wunder, daßunter den Geistlichen auch mehrmalen solche an-getroffen werden, deren Herz ohngeachtet ihrertäglichen Religionsbeschäftigungen, doch so kaltfür das wesentliche der Religion bleibt, nemlichGott
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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154
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