133Nun weiß ein jeder, welche Gesinnungen im Phy-sischen und Moralischen, jeder Bruder gegen denandern haben sol. Doch man braucht gewiß kei-nen grössern Beweis und Autorität gegen dietoleranz als wie die Parabel vom barmherzigenSamariter ausliefert. Dieser goß nemlich Oelund Wein in die Wunden eines Juden; er nahmihn auf sein Thier, ließ ihn genesen und suchtedas physische Elend desselben zu heben, so vielseine Kräfte nur vermögten. Obzwar nun dieSamariter und Juden, wegen ihrer verschiede-nen Religionsgebräuche nicht allein in der aller-größten Feindschaft lebten, sondern platterdingskeine Gemeinschaft mit einander zufolge den Be-fehlen der Geistlichkeit haben durften, versuchtedennoch der Samariter nicht einen Proselytenaus ihm zu machen, sondern er fieng gleich anihn, den Juden, den Feind seiner Religion, denVerfolger seiner Religionsverwandten als seinenBruder zu behandeln. Dessen physisches Elendzu mindern, ja völlig zu heben, war die drin-gendste, erste Pflicht so er fühlte; und als er da-rin das seinige gethan hatte, war er ruhig undsetzte seine Reise weiter fort. Der unter demBilde des Samariters lehrende Jesus, sagt nunausdrücklich: (a) so gehe hin und thue desglei-chen. Es ist also platterdings keine einzige Aus-flucht für einen intoleranten übrig, und noch we-niger unter den Anhängern der Lehre Christi.§. 31. Der Stolz kan entweder die Into-leranz, so aus Unwissenheit entsprungen, vermeh-ren,(a) Evangel. Lucas 10 v. 37.
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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153
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