152ckelt. Da nun aber ein Verdienst, oder welchesgleich viel ist, ein Capital, so man bey Gottausstehen hätte, ein Gut wäre, dem platterdingsauch die ganze vergängliche Welt nicht gleichge-setzet werden könnte, so siehet ein jeder, wie leichtStolz hieraus entspringen müsse; und daß um soviel mehr, wenn man noch überdem für andereauch so etwas verdienen könne. Wie muß sichdieser Stolz nicht immer mehr und mehr entwi-ckeln, nach und nach Ueberhebung über andere,Geringschätzung, Verachtung, Haß und zuletztVerfolgung nach sich ziehen? Denn so bald je-mand einmal in einem sündlichen Hang den er-sten Punkt überschritten hat, dann ist der zweiteschon nahe; und nach dem folgt der dritte u. s. w.indem der Mensch nun nach und nach die zarteEmpfindung, (Delicateſſe) dieſen erſten innernWächter verlieret.Wie schädlich sind nun nicht die Folgen da-von, und wie streitend mit dem Glück des Men-schen und der Lehre Christi? Denn so lange wirauf einer physischen Welt leben, kan die physi-sche Beziehung, die ein Mensch auf den andernhat, durch keine moralische Umstände, so langenemlich dadurch das Wohl des Ganzen so wolals eines einzelnen Mitgliedes nicht zerrüttetwird, aufgehoben werden. Dies ist es, was dergrößte Philosoph unter den Aposteln, Paulusim zweiten Brief an die Thessalonicher im 3tenCap. dem 15ten Vers sagt, und selbige, da ver-schiedene unter ihnen die reine Lehre verlassenhatten, ausdrücklich ermahnet, sie solten dochimmer die abweichenden als Brüder ansehen.Nun
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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152
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